Schwer und leicht – eine archäologische Hommage an Vals

© 2014  Franz Gnaedinger

 

Bilder in zeitlicher Reihenfolge, vom späten Juni frühen Juli, sodann vom späteren Juli   vals01.JPG   vals02.JPG   vals03.JPG   vals04.JPG   vals05.JPG   vals06.JPG   vals07.JPG   vals08.JPG   vals09.JPG   vals10.JPG   vals11.JPG   vals12.JPG   vals13.JPG   vals14.JPG   vals15.JPG   vals16.JPG   vals17.JPG   vals18.JPG   vals19.JPG   vals20.JPG   vals21.JPG   vals22.JPG   vals23.JPG   vals24.JPG   vals25.JPG   vals26.jpg 

 

 

Kapelle in der Schlucht von Ilanz nach Vals   vals01.JPG  

 

Blick über ein Hausdach auf den Kirchturm von Vals   vals02.JPG  

 

Felsblock in einer Wiese oberhalb von Peil, zeigt sehr schön die Schichten des berühmten Valser Steins   vals03.JPG  

 

Kleiner Schalenstein oberhalb von Peil, aus der Bronzezeit, für die Schwelle eines kleinen Hauses verwendet   vals04.JPG  

 

Grosser Schalenstein oberhalb von Peil. Die Schalen dienten gemäss U.P. und G. Büchi dem Anpeilen der Himmelsrichtungen sowie kalendarischer Aufgänge und Untergänge gewisser Himmelskörper mithilfe vertikaler Stäbe   vals05.JPG   vals06.JPG   Alpenpässe wurden schon vor zehntausend Jahren begangen, erst recht in der Bronzezeit, sagen wir vor 3’200 Jahren als es ebenso warm oder gar noch wärmer war als heute. In der Bronze-Nadel von Falera und dem Gold-Rhombus von Bush Barrow in der Nähe von Stonehenge im Süden Englands fand ich denselben Kalender   falera.htm   stonehen.htm   und nehme an es gab (vielleicht nur für kurze Zeit) eine Zinnstrasse von Wales über Falera ins Tessin bis nach Griechenland   blenio.htm   engiadin.htm   Auch die schon in der Bronzezeit genutzten Thermen von Vals könnten eine Station auf diesem Weg gewesen sein, ebenso wie jene im Oberengadin.

 

In der Gegend von Vals studierte ich zum einen wie Häuser und Berge zusammengehen, zum andern wie Pflanzen den Stein überwachsen. Hier ein Pflanzenbild   vals07.JPG

 

Ein Büschel Alpenrosen oberhalb von Peil   vals08.JPG  

 

Das Zervreila-Horn vom Staudamm aus gesehen   vals09.JPG   Die Walser kamen im 13. Jahrhundert aus dem Wallis und dürften im Zervreila-Horn einen Ersatz für das Matterhorn gesehen haben. Dieses personifizierte meiner Meinung nach in früher Zeit Proserpina, die Frau mit verhülltem Kopf welche in die Unterwelt abstieg und den schönen Jüngling Adonis mit sich nahm, dann, im Frühling oder frühen Sommer als Venus wiederkehrte und Adonis zu neuem Leben auf der Erde verhalf – Adonis ein Symbol der Bäche und schön bestellten Felder.

 

Heuschober in Frunt über dem Staudamm von Zervreila   vals10.JPG   Die typischen Schober des Valser-Tales bestehen aus vier steinernen Pfeilern, dazwischen Wänden aus Holz.

 

Blick auf den Weiler Frunt von Norden her  vals11.JPG  

 

Blick auf Vals von Süden her, Hochebene von Frunt   vals12.JPG  

 

Zwei weitere Heuschober auf dem Weg nach Vals, der vordere über einem Quadrat   vals13.JPG  

 

Früher Nachmittag in Vals, Blick über die Strasse auf das Haus Isis   vals14.JPG   Die Farben sollen die vier Elemente symbolisieren, während die gelbe aufstrebende Form Isis mit ihren Flügeln darstellen mag. Die ägyptische Isis wurde noch im Mittelalter auch von Christen verehrt. Ihre Darstellungen mit Horusknaben auf den Knien erinnert an Maria mit dem Jesusknaben. Athanasius Kirchner zeichnete die Göttin im 17. Jahrhundert wie sie mit einem Wassergefäss über die Felder geht und für Regen und damit für gute Ernten sorgt.

 

Spielzeug von Valser Kindern aus früherer Zeit: ein Stall mit Kühen, Schafen und Ziegen, sowie ein Gehege mit zwei Schweinen, die Tiere sehr einfach geschnitzt, aber mit einem rührenden Sinn für formale Gestaltung, daneben ein Wurfspiel (Haselrute, Schnur, flacher Pfeil aus einer Schindel geschnitten)   vals15.JPG   vals16.JPG  

 

Die sehr sehenswerte Sammlung des Ganda-Hauses erzählt von der Armut und auch von der Erfindungsgabe der Valser. Das Gandahus stand einst auf Zervreila, sollte abgebrochen werden, wurde aber gerettet, nach Vals transportiert, neu aufgestellt, und wird seither als Museum geführt   vals17.JPG   Unterhalb des Firstes sieht man einen senkrechten schmalen Balken ohne Funktion. Was er bedeutet? Gemäss Frau Schnyder, welche eine Führung machte, könnte er der Abwehr von Geistern gedient haben.

 

Noch ein bewachsener Stein, diesmal über der Alp Leis ob Vals   vals18.JPG  

 

Zurück in Vals, Blick auf das Dorf von Süden her, die Häuser in den Hang geschmiegt, seine Linie übernehmend   vals19.JPG  

 

Über den Valser Rhein schaut mich ein verschmitztes Gesicht an, gleichsam ein alter Valser Wächter der sein Haus vor Geistern schützt – Zufall oder Absicht?   vals20.JPG   vals21.JPG

 

Viele Holzhäuser haben in der Mitte der Fassade eine oder zwei senkrechte Reihen von Balken-Enden welche mit dem Dach zusammen die schon besprochene Isis personifizieren könnten, oder vielleicht einen Engel der über das Haus wacht?   vals22.JPG   vals14.JPG  

 

Die Dächer aus schweren Steinplatten stammen vom Berg und machen aus den Häusern kleine Abbilder der Berge mit ihrem geschichteten Stein   vals23.JPG  

 

Blick über den Friedhof auf ein altes Haus   vals24.JPG   vals25.JPG   An der Hauswand hängt zur Dekoration ein altes Wagenrad von zwölf Speichen. Räder dienen praktischen Zwecken, hatten in früher Zeit aber auch symbolische Bedeutung, als Weltformel mit den Kardinalachsen Norden Osten Süden Westen, und als Jahr von zwölf Monaten von je 30 Tagen, dazu 5 oder manchmal 6 zusätzlich Tage, von der Nabe symbolisiert, während 63 Perioden von 30 Tagen 1'890 Tage ergeben welche 64 Lunationen oder synodischen Monden entsprechen (dies ein alter Kalender den ich für die Region des Göbekli Tepe vor 12'000 Jahren rekonstruierte).

 

In früher Zeit war die Welt ein Quadrat und der Himmel ein von Säulen getragener Baldachin – vielleicht von vier Pfeilern wie ein Schober in der Region von Vals? Das Rad war in keltischer Zeit eine Weltformel. In Haus-Fassaden von Vals finden wir die Symbole von Wächtern und Schutzengeln. Die Dächer aus schweren Steinplatten imitieren den Berg und wären gleichzeitig symbolische Flügel, wie hier zu erahnen, in der Aufnahme eines Schober-Daches von oben, Unterbau und Umgebung wegretuschiert   vals26.jpg  

 

Schwerer Stein leichte Flügel ... Im archäologischen Pärklein von Sion stehen mehrere Steinkistengräber von Lutry bei Lausanne am Genfersee. Die Seitenplatte eines dieser Gräber zeigt einen Adler mit erhobener Schwinge, während die Deckplatten zweier anderer an Flügel gemahnen welche offenbar die Seelen würdiger Verstorbener in den Himmel tragen sollen. Die Ahnen der Walliser verstanden sich auf Stein. Die Oberflächen der Menhire von Sion, auch im Pärklein aufgestellt, erinnern an Pappelstämme; jene von Lutry, am originalen Ort, an die Oberfläche von Wasser, als Ensemble grosser dann kleiner Steine an den Genfersee   menhir0c.htm  

 

Schwer und leicht – mir schien dies eine Formel zu sein welche zusammen mit Stein und Wasser den genius loci von Vals prägt: ein karges Leben in einem abgeschiedenen Tal, oft von Nebel heimgesucht, aber wenn er sich löst in hübschen Flocken, fast wie die Spitzentücher der Valser Frauen die im Gandahus zu bestaunen sind.

 

 

 

 

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