Offener Brief an die Kulturstiftung der UBS, zuhanden von Frau Marianne Schühle, stellvertretende Geschäftsführerin

 

Informelle Beratung der UBS, Beistand für Herrn Marcel Ospel

 

Zürich, 17. Februar 2008         einschreiben

 

Sehr geehrte Frau Schühle,

 

Sie haben mir am 21. August 2007 eine kurze Absage auf mein Gesuch Bitte in eigener Sache, meine wissenschaftlichen Arbeiten aus 33 Jahren erteilt. Sie würden weder Stipendien noch Stellen vergeben. Nun ist doch eine Stelle frei geworden, nämlich jene eines informellen Beraters der UBS und Beistandes für Herrn Ospel in der gegenwärtigen Finanzkrise. Ich bin der Richtige dafür. Anbei eine Probe meines Könnens. Als Erstes eine Analyse der Lage der Schweiz, dann die UBS vor zehn Jahren und heute, mein Rat an die Schweizer Banken, mein persönlicher Rat für Herrn Ospel, und meine Offerte.

 

Sigmund Widmer, einstiger Stadtpräsident von Zürich, dann Nationalrat, schrieb in einer Kolumne in den 1980er Jahren: Die Schweiz kann nur überleben, wenn aus dem Werkplatz Schweiz ein Denkplatz wird. Leider nahm man ihn nicht ernst. Die FDP verwandelte Zürich in eine Bank, die SP verwandelt Zürich in einen Rummelplatz. Albert Anker wetterte im Nationalrat gegen die Vergabe des Auftrags für die Prägung von 5-Räpplern nach Deutschland und jene des Baus des Gotthardtunnels an ein deutsch-italienisches Konsortium, wogegen Christoph Blocher, Sammler und Bewunderer von Albert Anker, lange vor dem Grounding der Swissair deren Verkauf an die Lufthansa empfahl. Christoph Blocher meint, wir sollen die besten Ausländer in die Schweiz holen. Die generieren für uns Geld, damit kaufen wir noch mehr ausländische Topleute ein, die generieren noch mehr Geld, und so weiter. Das erinnert an die Parabel vom Milchmädchen in einem SJW-Heftchen der Primarschule. Das Milchmädchen geht mit einem Korb frischer, grosser, schöner Eier auf den Markt und kommt ins Träumen: Wenn ich alle Eier verkaufe, kann ich mir ein weiteres Huhn leisten, mehr Hühner legen mehr Eier, vom Erlös kaufe ich noch mehr Hühner, die legen noch viel mehr Eier … aber da stolpert sie über einen Stein auf dem Weg, der Korb fällt zu Boden, die Eier zerbrechen, aus der Traum. (Ich erwähnte die Parabel in meinem Gesuch vom letzten Sommer).

 

Die UBS wurde vor zehn Jahren gegründet, als Vereinigung der Bankgesellschaft mit der SBG. Damals besuchte ich eine Preisvergabe in der Aula der ETH Zürich. Zehn Preise für innovative Geschäftsideen gingen an hochqualifizierte Teams junger Wissenschafter mit weltmarktreifen Ideen und Produkten. Ein ehemaliger Manager der früheren Brown Boveri hielt eine Ansprache und sagte selbstkritisch, dass die Flüssigkristallanzeige LCD von Ingenieuren der Brown Boveri erfunden jedoch von den Managern verkannt und „für ein Butterbrot von 10'000 Franken“ nach Japan vergeben worden sei. Matthias Cabiallavetta, der Vize der frisch gegründeten UBS, war zugegen und liess sich als Sponsor bewundern. Er stiftete im Namen der UBS drei Preise in der Höhe von je 1'000 (tausend) Franken. Was wir damals nicht wussten: eben zu jener Zeit setzte er eine Milliarde Franken in den Sand. Er musste gehen, und bekam zum Abschied einen „goldenen Fallschirm“ in der Höhe von je nach Angabe 8 bis 15 Millionen Franken. Ein Gewinner des besagten Wettbewerbs gewann im selben Jahr den Hauptpreis eines ähnlichen Wettbewerbs im Welschen, erhielt aber keinen Rappen Kredit von einer Bank und sah sich deshalb gezwungen, nach Seattle auszuwandern, wo er für Microsoft arbeitet. Im selben Jahr machte die UBS grosse Schaufenster-Werbung für von ihr gesponserte Projekte, zum Beispiel gingen 300'000 Franken an einen Erlebnispark für Manager, Hochseilgehen und dergleichen für Kaderleute. Ebenfalls im selben Jahr kam Benoit Mandelbrot, einer der Begründer der fraktalen Geometrie, nach Zürich und hielt den Bankern der UBS einen Vortrag: Ja, er kenne die Zauberformel der beiden Nobelpreisträger, welche die hochriskanten Hedge-Fonds ermögliche; die Formel sei wie ein Fischerboot, sicher auf ruhigem Wasser, aber wenn die Höhe der Wellen einen halben Meter übersteige, bleibe man besser an Land … Inzwischen wurde aus der Zauberformel ein hochkomplexer mathematischer Apparat, welcher in die gegenwärtige Finanzkrise führte. Wissenschafter der ETH Zürich, insbesondere ein Mathematiker, haben seit zehn Jahren vor „Schönwetter-Formeln“ gewarnt: in 99,5 Prozent der Fälle seien sie brauchbar, doch in jenem halben Prozent, wo es wirklich drauf ankommt, würden sie versagen. Diese Wissenschafter konnten ihre Arbeiten nicht publizieren, jedenfalls nicht in renommierten Journalen. Die komplexen Derivate sind eine mathematische Neuauflage des alten Tricks vom Koffer voller Zeitungsbündel mit je einer Banknote obenauf: ein guter Kredit auf einem Dutzend fauler Kredite. Die UBS hat immer noch 80 Milliarden Franken Risiken offen, davon knapp 27 Milliarden hohe Risiken. Sie steckte insgesamt 47 Milliarden in das amerikanische subprime Geschäft, und das bei einem Eigenkapital von 50 Milliarden. Die UBS bezeichnet sich als weltweit (?) grösste Vermögensverwalterin, ihr Anliegen müsste eigentlich die Sicherheit der Kunden-gelder sein. Bislang schrieb die UBS gegen 21 Milliarden Franken ab, intern spricht man von einem weiteren Abschreiber in der Höhe von 20 Milliarden. Zum Vergleich: eine oder zwei Milliarden hätten die Swissair retten können. Wieviel Geld am Ende abgeschrieben werden muss, kann niemand sagen, da der Markt immer noch nicht greift, er befindet sich weiterhin in der chaotischen Phase. Die UBS habe das viele Geld, von dem jetzt die Rede ist, nicht investiert sondern in Hedge-Fonds angelegt. Wie vor zehn Jahren also, aber in einem viel grösseren Umfang. Die Boni steigen, die Fehler auf Chefetagen mehren sich und nehmen ungeahnte Ausmasse an, Wissenschafter können ihre Arbeiten nicht publizieren, müssen emigrieren, oder enden gar als Sozialfall (mehr dazu später). So wird die Schweiz über kurz oder lang zum Kandidaten für eine Übernahme. Ich würde mich kaum wundern, wenn die Deutsche Bank, geleitet vom Schweizer Josef Ackermann mit seiner guten Kenntnis des hiesigen Finanzmarktes, die UBS übernähme, und zwar als Massnahme gegen Steuerbetrüger, welche immer grössere Summen via Lichtenstein oder direkt in die Schweiz transferieren.

 

Die SBG, eine Vorgängerin der UBS, stellte viel militärisches Kader. Im Dienst pflegte ich zu sagen, dass man die Schweiz weniger mit Waffen als mit Intelligenz verteidigen müsse. Jetzt löse ich mein Versprechen ein.

 

Hier mein Rat für die UBS (und natürlich auch für die anderen Schweizer Banken): Wir dürfen dem Ausland nicht länger das Wasser abgraben. Die Devise müsste lauten: Ehrliche Bankgeschäfte und stabile Verhältnisse im Land als entscheidender Wettbewerbs-Vorteil. Die Währungen waren einst mit Gold gedeckt. Diese Zeiten sind vorbei. Die heutige Deckung besteht in Wissenschaft. Die Amerikaner können sich die gegenwärtige Finanzkrise leisten, denn sie haben einen grossen wissenschaftlichen Vorsprung, den sie bei Bedarf verwerten können, und das werden sie mit Sicherheit tun. Der Franken dagegen ist nicht mehr ausreichend gedeckt. Wissenschaft, Bildung und Forschung wurden in der Schweiz heruntergefahren, man glaubte wir könnten einfach nur Geld hereinholen, es müsse nur genug Bankfilialen geben. Generationen heller junger Leute mussten auswandern, nun fehlen sie im hiesigen Management. Im Weiteren darf nur expandieren wer über einen wissenschaftlichen und technologischen Vorsprung verfügt, andernfalls macht man sich zum Übernahme-Kandidaten. Die Schweiz hat überdurchschnittlich viele international tätige Konzerne. Die können wir nur halten, wenn wir Besonderes leisten. Wir müssen viel mehr in Wissenschaft, Forschung und Bildung investieren, und zwar direkt, nicht in die Bürokratie (mehr dazu später). Die Roche in Basel macht es vor und hat entsprechend Erfolg. Wie wäre es mit der Brown Bovery weitergegangen, hätten ihre Manager das Billionen-Geschäft LCD erkannt? Sie hätte ihre Eigenständigkeit bewahrt, und einen Fred Kindle hätte man nicht einfach wegblasen können.

 

Herr Ospel erfährt nach viel Lob in früheren Jahren derzeit eine Welle von Verachtung, beispielsweise aus Leserbriefen. Als freiberuflicher Wissenschafter in der Schweiz bin ich Verachtung gewohnt (auf mein obiges Gesuch hin bekam ich fast nur verächtliche Absagen), doch ich weiss wie mit Verachtung umgehen, wie man sie umkehren und positiv nutzen kann. Wenn ich eine Absage bekomme, so sage ich mir: Was soll ich mich länger um Vorurteile kümmern? jetzt engagiere ich mich erst recht … So verwandle ich Verachtung in positive Energie.

 

Herr Ospel, Sie werden wahrscheinlich noch diesen Monat als Verwaltungsratspräsident der UBS abtreten, oder zurücktreten müssen. Sie werden dann viel Zeit haben. Holen Sie nach, was Sie und Ihre Bank versäumten. Fördern Sie gute Projekte. Wer in der Schweiz mit neuen Ideen kommt, läuft in hundert Lanzen. Es braucht Beistand von oben. Jemanden wie Sie. Es werden einige Probleme auf Sie zukommen. Sie können ins Ausland flüchten. Oder die Probleme mit Engagement für gute Projekte meistern. Das wäre meiner Meinung nach der sinnvolle Weg.

 

Wohlverstanden, ich bewerbe mich nicht um den Posten als informeller Berater der UBS und Beistand für Herrn Ospel, sondern trete ihn hiermit an. Meinen Brief werde ich online publizieren (www.seshat.ch/home/ubs.htm), Nachträge werden folgen. Hier meine Offerte. Nach dem Scheitern meines Gesuchs vom letzten Sommer (www.seshat.ch/home/bitte.htm) schickte mich mein Arzt zum Sozialamt. Ich ging hin, aber empfinde es als Schande – als Schande für mich wie auch für Zürich und die Schweiz, die einem wie mir keine Chance bieten. Mitte März werde ich voraussichtlich zum Sozialfall. Wenn es Ihnen, Herr Ospel, peinlich sein sollte, einen angehenden Sozialfall als Beistand zu bekommen, so können Sie mich gerne auslösen. Zum Beispiel, indem Sie mir bei einem der folgenden Projekte beistehen:

 

1)      Geometrische Bildanlagen. Im Tresor einer Zürcher Bank befindet sich ein Gemälde der Madonna mit Jesusknabe, das der Schule von Raphael zugeschrieben wird (www.seshat.ch/home/gia32.JPG). Der Eigentümer, ein gebürtiger Tscheche mit Wohnsitz in Adliswil, hält es für ein Bild von Raphael. Mit meinen geometrischen Analysen kann ich zeigen, dass das Bild wirklich von ihm stammt: es enthält eine geometrische Anlage, die genau eingehalten wurde. Jetzt dürfte das Gemälde sagen wir 30,000 Franken wert sein, nachher wären es vielleicht 50 Millionen. Ihre Kulturstiftung könnte mir einen Werkbeitrag für eine ausführliche Arbeit über das Bild zusprechen, das Copyright ginge an die UBS.

 

2)      Sprache. In einem wissenschaftlichen Bereich ist die Schweiz immer noch top, nämlich in Biologie. Der neue Trend heisst Systembiologie – man nimmt Organismen nicht länger auseinander sondern schaut, wie die Teile zusammenwirken. Mein Beitrag wäre die Sprache im lebenden Organismus, ganz elementar gefasst. Für Systembiologie wurden in der Schweiz 400 Millionen Franken gesprochen, es sollen noch 200 Millionen mehr werden, Nur hat einer wie ich keinen Zugang. Das braucht es ein hilfreiches Wort von oben. (www.systemsx.ch)

 

3)      Wenn wir die anstehenden globalen Probleme bewältigen wollen, so benötigen wir dafür meiner Meinung nach die Hilfe von guten Leuten auf der ganzen Welt. Unsere derzeitige Kulturgeschichte steht dem entgegen. Beispielsweise die Mathematikgeschichte. Unsere Schulbücher sprechen beharrlich von der Formel des Pythagoras, obschon Zahlentripel lange vor der Zeit des Griechen in Mesopotamien und Ägypten in Gebrauch waren. Mit unserer Kulturgeschichte sagen wir den Menschen anderer Kontinente: Wir haben die Kultur erfunden, die Zivilisation geschaffen; ihr kommt als Bettler zu uns. Dabei müssten wir sagen: Die Zivilisation einschliesslich der Wissenschaften, Geometrie und Mathematik ist eine gemeinsame Errungenschaft, wir wollen sie auch so fortentwickeln, denn wir leben zusammen auf dieser Erde mit ihren begrenzten Ressourcen, helft uns, wir können die globalen Probleme nur lösen, wenn wir zusammenarbeiten … Als einmal die Eidgenössische Kommission für Menschen-rechte und gegen Rassismus Projekte zum Thema Bildung einholte, bewarb ich mich mit den beiden Projekten Für eine faire Kulturgeschichte / Für einen neuen Mathematikunterricht auf der Basis einer fairen Kulturgeschichte. Ich bekam ein Formular von 70 (siebzig) Seiten, gab meine Projekte ein, und bekam zwei Absagen von Frau Christine Kaufmann, inzwischen Ombudsfrau der Stadt Zürich, damals Chefsekretärin der Bundesrätin Ruth Dreyfuss: leider hätte ich meine Projekte beim falschen Thema eingegeben. Ich schrieb zurück und bekam Antwort von einem Herrn mit griechisch klingendem Namen; doch, es sei so, ich hätte zum falschen Thema eingegeben, hiermit sei die Korrespondenz beendet, beiliegend die Unterlagen zum Thema Jugendsport … Aha, faire Kulturgeschichte gehört also nicht zum Thema Bildung sondern in den Bereich Jugendsport. Ich schrieb Herrn Prof. Georg Kreis. Keine Antwort. In seinen akademischen Kreisen ortet man den Rassismus am rechten Rand der SVP, während man den Rassismus von oben herab, welcher die Schulbücher und dann die Köpfe der Jungen füllt, ignoriert. Wenn die Schulkinder lernen, dass die Zivilisation einschliesslich der Wissenschaften, Geometrie und Mathematik in Europa erfunden worden waren, können sie gar nicht anders denn Zuwanderer aus anderen Kontinenten als minderwertig einstufen.

 

4)      Ein aktuelles Bauprojekt aus Zürich. Die freisinnige Partei gründete die moderne Schweiz. Das Landesmuseum Zürich mit dem grossen Park ist meiner Meinung nach ein Symbol der alten und neuen Schweiz, der Schweiz im Lauf der Zeit, ein bedeutendes Denkmal des Freisinns aus einer Epoche, als es dieser Partei um den Zusammenhalt des Landes ging (www.seshat.ch/home/lmu.htm). Leider zerstört der geplante Neubau die Idee der bestehenden Anlage, die kürzlich aufgestellten Profile, als Bau gedacht, ersticken förmlich die schöne Fassade zum Park hin – Symbol der alten Schweiz, von der neuen Schweiz aus gesehen.

 

Soweit ein erster Einblick in die vier Projekte. Für weitere Informationen stehe ich gerne zur Verfügung, sei es schriftlich, oder auch mündlich, anlässlich einer Vorsprache.

 

Mit freundlichen Grüssen, Franz Gnaedinger

 

 

 

 

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