Schweiz --- Schulen Drogen Lärm; Zürich (Teil 2) / © 2004 Franz Gnaedinger, fgn(a)bluemail.ch, fg(a)seshat.ch, www.seshat.ch

 

 

 

Schulen Drogen Lärm; Zürich (Teil 1) / Schulen Drogen Lärm; Zürich (Teil 2)

 

 

 

Im Militärdienst pflegte ich zu sagen, dass man die Schweiz weniger mit Waffen als Intelligenz verteidigen müsse. Inzwischen löse ich mein damaliges Versprechen ein. Meiner Meinung nach läuft bei uns einiges falsch. In Zürich hält man das Leben für eine Dauer-Party. In der Schweiz glaubt man von rechts bis links, dass die Gelder ewig und von selber fliessen und wir ein natürliches Anrecht auf unseren Wohlstand hätten. Seit 1996 erleben wir ein Milliarden-Debakel am anderen, eines schwerer als das andere. Was geschieht? Man gerät vorübergehend in Panik und spart am falschen Ort: bei Schulen, Familien, Spitälern. Danach geht es weiter mit Feiern. Ich wohne im Oberen Kreis 5, wo sich die Schulhäuser an den Strassen reihen wie Perlen an Schnüren. Der Obere Kreis 5 ist das dichteste Schulquartier der Schweiz, vielleicht sogar Europas. Viele Leute, auch Einwohner dieses Quartiers, glauben allerdings, es sei ein Sucht- und Lärmquartier. Nicht ohne Grund. 1993 hatten wir die Drogen-Katastrophe (noch immer virulent), heute folgt eine Lärm-Katastrophe. Ich habe mich damals gewehrt und wehre mich heute. Diesmal mit Briefen, die ich publik mache. Der Lärm geht mir persönlich an die Nieren, zudem halte ich es für symbolisch, was die Politik mit unserem Schulkreis anstellt. Im ersten Teil stehen sieben zum Teil sehr lange Briefe, mit Kommentaren. Hier folgt Brief Nummer 8, ein Rundbrief.

 

 

 

Brief 8  (illustrierte Web-Version)

 

Rundbrief an Herrn … von der Liegenschaftenverwaltung … / Herrn …, Kommissariat Polizeibewilligungen, Fachgruppe Lärmbekämpfung / den Stadtpräsidenten Herrn Dr. Elmar Ledergerber /die Polizei-Chefin Frau Esther Maurer

 

Betrifft: Lärm Lärm Lärm im Oberen Kreis 5, insbesondere und schon wieder im Hof der Ausstellungsstrasse ..

 

Zürich, 28. März 2004

 

Sehr geehrte Frau Maurer, sehr geehrte Herren,

dieses Jahr fängt leider der Sommerlärm schon im Frühling an. Am Freitag den 12. März beschallte das Jugendhaus Drahtschmidli den oberen Kreis 5. Ich ging in die Nähe und vernahm etwas von einer Geburtstagsparty. In Zürich haben jeden Tag rund 1'000 Leute Geburtstag. Wenn alle von ihnen 400 Leuten den Schlaf rauben würden, käme Zürich nie mehr zum Schlafen. Ich fragte bei der Nummer 117 an. Man werde eine Streife vorbeischicken. Der Lärm dauerte allerdings bis 3 Uhr am Morgen, als heftiger Regen einsetzte.

 

Der freundliche Polizist am Telefon hatte mir gesagt, dass er diesmal eine Streife hinschicken werde, im Sommer werde es aber nicht mehr gehen. Will heissen: da wird überall so viel Lärm sein, dass die unterdotierte Polizei nicht mehr nachkommt. Schon letztes Jahr sagte mir ein Polizist (wie immer ein freundlicher Herr) dass die Polizei wenig tun könne, man müsste Hundertschaften schicken, wenn man wilde Parties auflösen wolle. Vor einem Jahr war die Polizei von den Lärmern am Escherwyss verdroschen worden (nicht umgekehrt). Derselbe Polizist sagte mir, dass man eine sich abzeichnende Lärmerei bitte sofort an die Polizei weitermelden solle, damit die Polizei eingreifen könne, wenn noch nicht so viele Personen versammelt seien.

 

Gestern abend kehrte ich von einer Einladung nachhause, und war froh, als es auf dem Heimweg für einmal ruhig war. Demnach eine ruhige Nacht. Aber ich hatte mich zu früh gefreut. In einer privaten Schreinerei im Hof der Ausstellungstrasse .. lief eine Party, und kaum war ich in meiner Mansarde angekommen, haben sie die Bässe aufgedreht. Ich ging hinunter und wurde von einer jungen Frau, die schon letztes Jahr an einer wilden Party im Hof der Ausstellungsstrasse .. teilnahm, beschumpfen. Das sind keine Werkstatt-Feste mehr wie früher sondern wilde Parties, an welche Leute aus der Stadt und Region kommen, auch solche, die noch nie etwas von diesen Werkstätten gehört haben. Um halb Eins rief ich die Nummer 117 an. Man schicke eine Streife vorbei. Es wurde ruhiger, aber um 2 Uhr morgens ging es wieder los, volle Lautstärke. Ich rief nocheinmal an. Die Polizei habe es sehr streng, eine Streife sei eben erst auf dem Weg an die Ausstellungsstrasse. Ich bedankte mich. Ziemlich bald wurde es ruhig. Offenbar war die Polizei vorbeigegangen. Dann läutete es einmal bei mir, und ein zweites Mal. Ich wusste nicht, wer es war. Wenn es die Polizei gewesen wäre, wäre ich hinuntergegangen und hätte geöffnet. Es hätte aber auch ein zorniger Party-Gänger sein können. Mit einem solchen hätte ich nicht einmal durch das geschlossene Hoftor reden mögen. Aus diesem Grund ging ich nicht hinunter, aber wenn die Polizei mit mir reden will, stelle ich mich gern zur Verfügung, käme auch auf dem Posten vorbei.

 

Ich habe den Eindruck, dass diese jungen Leute entschlossen sind, das Werkstatt-Gelände in ein Party-Areal zu verwandeln: mit wilden Parties am Wochenende, und nächtlichem Barbetrieb im Hof zwei- bis dreimal in der Woche, meist vom Montag auf den Dienstag, vom Donnerstag auf den Freitag, und vom Samstag auf den Sonntag (Barbetrieb wie letztes Jahr, und wie schon früher drei Jahre lang). Unsere Nachtruhe gilt diesen jungen Leuten, die selber an ruhigen Orten wohnen, gar nichts: Wir sollen nicht so tun; wir seien ja freiwillig in dieses Lärm-, Sucht- und Drogenquartier gezogen; wenn wir schon an der lauten Sihlstrasse wohnen, die chronisch den Lärmgrenzwert überschreitet, können wir ja auch noch den Partylärm ertragen; und überhaupt sei es Kultur. Im Namen der Kultur kann man sich in Zürich alles erlauben.

 

Sie, Herr Dr. Ledergerber, schrieben mir am 19. Dezember 2004 (sic) einen Brief, der am 19. Januar bei mir ankam (entweder sind Sie uns gewöhnlich Sterblichen neun Monate voraus, oder ich hinke hinter der Zeit her). Sie schrieben mir: Gerne nutze ich die Gelegenheit, um auf die Ursache Ihres Briefes vom Ende Dezember 2003, die „Lange Nacht der Museen“, einzugehen. Es ist zutreffend, dass ich mich seinerzeit dafür eingesetzt habe, dass die Stadtpolizei diesen Anlass bewilligt. Allerdings beinhaltete die Bewilligung nicht die von Ihnen zu recht als Lärmorgie empfundene Beschallung des ganzen Quartiers. Ich war selber an diesem Anlass anwesend und über den Lärm entsetzt. Die Veranstalter haben sich nicht an unsere Auflagen gehalten und sind deswegen auch verzeigt und gebüsst worden. (…) Sie waren entsetzt über den Lärm, den Sie selber bewilligten. Die Lärmszene hat allerdings ein anderes Signal mitbekommen: im Namen der Kultur kann man jeden Lärm durchziehen.

 

Aus Gesprächen mit Polizisten glaubte ich einen Zwischenton herauszuhören, wonach man die Lärmerei in Zürich als politische Angelegenheit verstehe. Etwa in diesem Sinne: wenn der Zürcher Stadtpräsident Elmar Ledergerber der lässigste (coolste) von allen sein will und jeden lärmigen Anlass bewilligt, weil er beim Party-Volk ankommen möchte, soll er bitte die Konsequenzen selber tragen und nicht uns aufbürden; wir sind eh unterdotiert und haben viele andere Aufgaben zu erledigen. Gestern fragte ich einen Polizisten via Nummer 117 ob man bei der Polizei die Lärmfrage für ein politisches Problem halte? Worauf er mir antwortete: Ja, schon auch: was ist erlaubt und was nicht?

 

In der Nacht vom 12. auf den 13. März habe ich bei der 117 angefragt, ob es eine Handhabe gäbe, wie man sich auch anders als mit Anrufen bei der Polizei gegen den unzumutbaren Lärm engagieren und wehren könne? Der Polizist sagte mir: Schreiben Sie dem Stadtrat; es ist schon richtig, wie Sie es machen.

 

In Zürich soll es 486 (beinahe 500) Clubs geben, wo die Jungen die Nächte durchlärmen können. Aber das genügt offenbar nicht. Man muss auch noch die Wohnhäuser beschallen. Kürzlich war im TagesAnzeiger die Geschichte einer jungen Frau zu lesen, die ihre Heirat als nächtliche Lärmparty in der Siedlung Steinfelsareal feierte. Um Mitternacht kam die Polizei und zog den Stecker heraus. Nach gesetzlichem Beschluss dürfe in dem Areal (in dem notabene In-People wohnen, keine Bünzli) nur noch bis 10 Uhr nachts Musik laufen. Kaum war die Musik aus, liefen die Gäste weg. Die junge Braut verzog sich auf eine Toilette und weinte. Was ist das für eine Stadt, welche mir den schönsten Tag im Leben verdirbt? Wirklich traurig --- aber nicht etwa das Abstellen des Lärms, sondern dass die Gäste wegliefen, als die Musik aus war. Sie kamen offenbar nicht wegen des Paares sondern wegen der Lärmerei. In einem Club lärmen bringt es nicht mehr; der richtige Kick stellt sich erst ein, wenn man möglichst viele Anwohner um den Schlaf bringt.

 

Diese jungen Leute haben so viele Freiheiten und einen vormals undenkbaren Wohlstand, aber sie können all das, wie mir scheint, immer weniger geniessen. Vielleicht haben diese jungen Menschen einfach zu viel?

 

Am 21. März fuhr ich zu einer archäologischen Exkursion nach Tüscherz. Im Abteil hinter mir sassen zwei Schüler und redeten über ihre Lehrer. Als sie wieder einmal zu spät in die Schule kamen und im Unterricht schliefen, habe sie der betreffende Lehrer aufgefordert, in einem Bericht festzuhalten, was in der Nacht gelaufen sei. Einer von ihnen habe dann den Bericht verfasst: Sie seien am Abend um 10 Uhr in ein Lokal gegangen, um 2 Uhr morgens in ein anderes Lokal, um 4 Uhr morgens wieder in ein anderes Lokal, und dann um 6 Uhr zu einem von ihnen nachhause, wo sie Raclette, Käse-Fondue und Schokoladenfondue gemacht und verschlungen hätten, worauf ihnen schlecht geworden sei, darum seien sie zu spät in die Schule gekommen und hätten im Unterricht geschlafen. Der junge Mann, der dies erzählte, war erbost darüber, dass die Gruppe keine Belohnung für ihre Ehrlichkeit bekommen habe. Wer so ehrlich sei, würde gewiss eine Belohnung verdienen. Was hätten sie denn noch zugeben sollen? Dass ihnen so elend war, dass sie einander über die Schuhe körbelten? Als unfreiwilliger Zuhörer des lauten Gespräches dachte ich, dass hier keine besondere Ehrlichkeit vorliege; man weiss ja inzwischen, wie die jungen Leute ihre Nächte verbringen.

 

Letztes Jahr sah ich Schüler der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich von der 9-Uhr Pause an kiffen. Inzwischen kiffen einzelne schon am Morgen vor 8 Uhr auf dem Schulweg.

 

Der Sommerlärm begann dieses Jahr im Frühling oder gar schon im Winter, nämlich mit der Heulerei vom Platzspitz im Februar. Sei bewilligt, sagte mir die Polizei, ein kultureller Anlass. Auflagen nicht beachtet, sagte mir Herr …, gäbe eine Anzeige. Aber die Passanten wissen nichts von der Anzeige, ebensowenig vom „Entsetzen“ Elmar Ledergerbers über den von ihm selbst bewilligten Nachtlärm. Sie haben nur mitbekommen, dass man im Oberen Kreis 5 im Namen der Kultur JEDE Lärmerei abziehen kann.

 

Ich möchte nocheinmal in Erinnerung rufen, dass der Obere Kreis 5 ein Schulquartier ist, kein Drogen-, Sucht- und Lärmquartier. Sie, Herr Dr. Ledergerber, schrieben mir im erwähnten Brief: Ich versichere Ihnen, dass wir die Entwicklung im Kreis 5 sehr genau verfolgen und unsere Strategie zur Erhaltung der Lebensqualität für die gesamte Bevölkerung immer wieder überprüfen und laufend den aktuellen Gegebenheiten anpassen. Was kehren Sie gegen die Verwandlung des Oberen Kreis 5 in ein Party-Areal vor? Die Polizei sagt mir jetzt schon, dass sie sehr viel zu tun hat und im Sommer wegen Überlastung keine Streifen mehr vorbeischicken könne. Und man hält bei der Polizei den Lärm eben auch für ein politisches Problem. Worin besteht Ihr Engagement für den Oberen Kreis 5? In ehrgeizigen Bauplänen?  Zuerich 1  Längs dem Hauptbahnhof soll es Büros für 6'000 bis 8'000 Menschen geben. Dabei stehen in Zürich viele Büros leer. Wohnungen für 1'000 bis 2'000 Menschen. Okay, aber an der Bahn? Hotels und Beizen. Haben wir nicht schon mehr als genug Restaurants in Zürich? Ein Drittel dieser Lokale habe auf die Länge keine Überlebenschance. Im Weiteren kämen Schulen dazu. Eine Reihe Berufsschulen, und ein neues Primarschulhaus in der Nähe vom Escherwyss, wie ich privat in Erfahrung brachte. Diese Entwicklung begrüsse ich sehr, frage mich allerdings, woher das Geld kommt, und wenn aufeinmal Geld vorhanden sein sollte, und wenn die Schweiz, wie Sie, Herr Ledergerber sagen, innovativ werden müsse, weshalb greift dann Ihre Parteikollegin Regine Aeppli zielsicher den innovativen Kern der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich an, nämlich den Vorkurs?

 

Was die Baupläne im Oberen Kreis 5 betrifft, so möchte ich nocheinmal auf den drohenden Verkehrsinfarkt an der Sihlstrasse beim Einbiegen zum Hauptbahnhof erinnern  Zuerich 2, und überdies auf das Landesmuseum zu sprechen kommen, das für mein Empfinden eine schwer erträgliche Mischung aus falscher Gotik, Renaissance und Rübezahl darstellt, welche mit einem Hightech-Anbau völlig ungeniessbar würde. Das einzig Schöne am Landesmuseum ist der Blick vom Park her und vor allem der Park selber mit seinen prächtigen Magnolien und grossen alten Bäumen. Weshalb diesen Freiraum antasten?  Zuerich 3  Wenn die Sihlpost frei werden sollte, könnte man doch dort eine Dependence des Landesmuseums einrichten? Alte Objekte im bestehenden Bau, neuere in die architektonisch gelungene Sihlpost, welche interessante Ausstellungsmöglichkeiten bieten würde. Der Bau von Büros hat keine Priorität, also könnte man vorläufig auf dem freien Areal um die neue Dependence des Landesmuseums in der Sihlpost einen Park anlegen  Zuerich 4  Was die schräge Brücke vom Platzspitz durch den Oberen Kreis 5 betrifft, so bin ich deswegen auch nicht glücklich, denn sie stört die reizvollen Kamm von Öffnungen längs der Limmatstrasse, welcher den architektonischen Wert unseres Quartiers ausmache, wie mir ein Architekt im Frühling 1990 erklärte  Zuerich 5  Hier mein Vorschlag  Zuerich 6

 

Zürich verdankt seinen hohen Rang in Sachen Lebensqualität zu einem guten Teil einem weitsichtigen Künstler, nämlich dem Zürcher Maler Rudolf Koller. Das Zürihorn gehörte ihm. Er hat es gern gemalt, mit Kühen zwischen Kabisköpfen; mit Blick auf den See; mit schlafenden Kindern. Dann hat er das Areal der Stadt Zürich vermacht. Allerdings mit einer Auflage: es dürfe nicht verbaut werden! Dem damaligen Stadtrat passte dies gar nicht, und er hat das Geschenk mit Murren angenommen. Rudolf Koller, der als schwieriger Mensch galt, war in Tat und Wahrheit ein weitblickender Bürger. Er hat vorausgesehen, dass ein freies Seeufer dem schönen Zürich einen ganz besonderen Reiz verleiht. Sein Beispiel machte Schule. Wenn man schon das Zürihorn freihält, wieso nicht gleich den ganzen Weg vom Bellevue bis Zollikon? Und wenn man schon das eine Seeufer freimacht und -hält, wieso nicht auch das andere, vom Bürkliplatz bis Wollishofen und Kilchberg? Der Zugewinn an Qualität, welche Zürich diesen freien Seeufern verdankt, wäre kaum in Geld umzurechnen, aber wenn man es dennoch versuchen würde, käme man gewiss auf einen hohen Betrag. In jüngerer Zeit hat sich Ursula Koch um die Erhaltung der Freiräume in Zürich verdient gemacht und das Zentrum von übereilten Scheusslichkeiten freigehalten. Freiräume sind ein kostbares Gut. Man hat sie rasch für immer verloren, wenn man ihnen keine Sorge trägt. Wollen Sie, Herr Ledergerber, derjenige sein, der die Freiräume im Zentrum von Zürich opfert? Park des Landesmuseums; Brücke quer durch den Oberen Kreis 5, dem „Kamm“ zuwiderlaufend; verstellte Trottoirs; Verkehrsinfarkt im Zentrum. Sie reden viel von Kultur. Der öffentliche Raum - zu dem im Zeitalter der subwoover den auch der akustische Raum gehört - ist ebenfalls eine kulturelle Errungenschaft.

 

Kürzlich war eine gute Nachricht aus dem Stadthaus zu vernehmen. Die Schulden der Stadt Zürich seien getilgt. Aber leider melden sich bei solchen Botschaften rasch Zweifel. Stimmt es auch wirklich? Micheline Calmey-Rey von der SP hat für das Genfer Budget 2002 einen Überschuss von vorsichtig kalkulierten 87 Millionen Franken ausgegeben, galt darum als Retterin von Genf und kam so in den Bundesrat; inzwischen zeigte sich, dass ihre Zahl völlig falsch war: anstelle eines Gewinnes von 87 Millionen Franken resultierte ein Verlust von 459 Millionen Franken. Wer schuld daran ist, wird sich weisen. Der freisinnige Bundesrat Kaspar Villiger errechnete für 2003 ein knappes Plus, das Ergebnis waren drei Milliarden Minus. Auf Zahlen ist in der Schweiz kein Verlass mehr, weder bei der SP noch bei der FDP. Oder leider nur noch im negativen Sinne. Die Milliardenflops mehren sich, immer mehr Firmen schönen ihre Bilanzen. Der NEAT fehlen 7,7 Milliarden (Bericht von Urs Paul Engeler in der Weltwoche vom 25. März 2004). Die hellen jungen Leute wandern in Scharen ab. Jedes Jahr verlassen 700 junge Wissenschafter die Schweiz (TagesAnzeiger) beziehungsweise 400 bis 500 brillante junge Wissenschafter (SonntagsZeitung). In Europa ist es auch nicht besser. In den letzten zehn Jahren haben 400'000 EU-Forscher Europa in Richtung Übersee verlassen, allein im Jahr 2000 waren es 85'000 EU-Forscher. Das hat Folgen. Die Schweiz und Europa sacken in immer mehr Disziplinen ab. Kürzlich las ich, dass auch die europäischen Autos, bisher ein grosser Stolz des Alten Kontinentes, flach herauskämen.

 

Aber wen kümmert all das? Die einen zocken ab, die anderen machen auf Lärm und Drogen.

 

Das sind keine Perspektiven für unser Land.

 

Mit freundlichen Grüssen, und in der Hoffnung, vielleicht doch einmal ernst genommen zu werden

 

Franz Gnaedinger   8005 Zürich

 

 

 

 

Schulen Drogen Lärm; Zürich (Teil 1)

 

 

 

 

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