Die Menhire von Yverdon, Sion und Lutry (3/3) / © 2002-04 Franz Gnaedinger, fgn(a)bluemail.ch, fg(a)seshat.ch, www.seshat.ch

 

 

 

DIE MENHIRE VON YVERDON, SION, LUTRY, GORGIER, BEVAIX UND CORCELLES, Ausblicke nach Stonehenge, Boissy-aux-Cailles, Lascaux, Chauvet, Nantes und Carnac. Ein archäologisches Abenteuer in 3 Teilen, mit 336 Illustrationen

 

TEIL 3: Silbermöwe und Morgensonne (ein archäologisches Märchen); Das Weltei von Carnac; Drei-Seen-Land, Wallis und Genfersee; Bibliographie und Kommentare; Die Fabel von Gorgier und Bevaix; Die Gemini-Steine von Concise-Corcelles

 

Teil 1 / Teil 2 / Teil 3 / Appell an die Schweizer Archäologie (Vandalismus in Yverdon-Clendy). Miscellanea

 

 

 

Silbermöwe und Morgensonne (ein archäologisches Märchen)

 

Einst war das Land öd und leer; nackter Fels, von Winden und Wellen umtost. Es gab kein Leben, weder Pflanzen noch Tiere, keine Menschen und keine Gestirne. Da kam die Grosse Silbermöwe geflogen, landete auf einer flachen Anhöhe nahe der Küste, legte ein riesiges Ei und wärmte es mit ihrem Körper. Nach einem Monat brach die Schale auf, und aus dem Grossen Ei gingen die Urahnen aller Geschöpfe hervor: Pflanzen, Tiere, Menschen, Sonne, Mond und Sterne. Niemand wusste, wo dies geschah, doch mehrere Küstenregionen der Bretagne und des südlichen England erhoben Anspruch auf das Nest der Grossen Silbermöwe.

 

Vor rund 6'500 (6'700? 7'000?) Jahren lebte im Mündungsbereich der Loire ein kluger Mann. Er war das Oberhaupt aller Stammführer aus der Region von Nantes und trug den Ehrennamen Silbermöwe. Er glaubte nämlich, dass die stolze Loire mit ihren Inseln und den Zuflüssen Erdre und Sèvre ein Bild der Grossen Silbermöwe bewahre  Menhir 7a

 

Seine Leute waren Jäger, Fischer, Muscheltaucher und Sammler, welche im Sommerhalbjahr an den Küsten weilten und den Flüssen folgten, während sie den Winter gern auf den grossen Loire-Inseln verbrachten. Das Klima dieser Region ist angenehm, die Sommer sind erträglich, die Winter mild.

 

Die Silbermöwe larus argentatus legt ihre Eier von Ende März bis Mai oder von Ende April bis Juni (je nach Buch). Meist sind es drei hellgrünliche bis olivbraune, dunkelbraun und grau gefleckte Eier, Länge 70 mm, Breite 49 mm, Brutdauer 25–27 Tage, die Jungen sind mit 7 bis 9 Wochen flügge.

 

Im Winter residierte Silbermöwe auf der Insel Beaulieu, dem Kopf der Grossen Silbermöwe von Nantes. Er hatte eine schöne und ebenso kluge Frau, die er meine Morgensonne nannte. Sie verbrachte das ganze Jahr auf den Loire-Inseln. Ihre besondere Liebe galt den Pflanzen. Sie legte kleine Kräuterärten an, grub Pflänzlein aus, steckte sie in ihre Beete, und siehe da, sie gediehen. Als nächstes pflanzte sie Beeren. Auch die Sträucher wuchsen und lohnten die Mühe mit vielen kleinen süssen Früchten. Morgensonne gab sie in einen Bottich, fügte Wasser bei, liess den Saft gären, würzte ihn mit Kräutern und braute so einen Trank, der ihrem Mann und seinen Gehilfen vortrefflich mundete. Eines Abends brachte Silbermöwe ein paar goldgelbe Ähren heim und sagte seiner Frau: Du hast grossen Erfolg mit Kräutern, Beerensträuchern, ja sogar Bäumen. Nun habe ich eine neue Aufgabe für Dich. Schau diese Ähren hier. Ich habe sie von einem weitgereisten Händler bekommen. Die Körner sind gross und schmecken mir besonders fein. Nimm sie, steck sie in den Boden, und vollbring ein neues Wunder! Seine Gemahlin freute sich ebenso über das Lob wie über die neue Aufgabe, legte die Körner behutsam in den Boden, umgab das Beet mit Pflöcken, hing Bänder daran, um naschhafte Vögel zu verscheuchen, wässerte die Keimlinge, und wirklich gediehen die schönen Gräser. Die Ähren reiften goldgelb heran. Morgensonne gewann die Körner, mahlte sie, rührte einen Teil des Mehles mit Wasser an, liess den flüssigen Teig an der Wärme säuern, gab mehr Mehl dazu, überdies Beeren, Milch und gewisse Kräuter, formte Ballen, klatschte sie auf einen feuerheissen Stein und buk die kleinen Fladen. Wie freute sich ihr Gemahl, als er die wohlschmeckenden Küchlein vorgesetzt bekam!

 

Einige Jahre später gediehen auf den Loire-Inseln blühende Gärten und kleine Getreidefelder. Kinder wie auch ältere Frauen und Männer verbrachten den Sommer auf den Inseln und halfen gern beim Pflanzen. Die Männer lasen Steine aus dem Boden, legten sie neben die Felder, schichteten sie zu Mäuerchen auf, und „pflanzten“ grössere Steine als Landmarken. Die Muschelfischer hatten ein gutes Auge für sprechende Formen und fanden beim Zusammenlesen der Steine ein paar schöne Exemplare, die dann auch als Denkmäler, Grabsteine und Heiligtümer Verwendung fanden.

 

Als die Grosse Silbermöwe ihre Segensrunde über Nantes flog, vereinten sich Himmel und Erde. Seither gehen die Wasserwege ob Nantes, welche die langen Flussinseln verbinden, mit mehreren wichtigen Himmelslinien einher:

 

Stand man auf der Insel Héron, so ging der nördlichste Mond über der Insel de la Chenaie auf – die mehr als drei Kilometer lange Wasserstrasse stimmte mit der Himmelsrichtung überein.

 

Stand man am Morgen der Sommersonnwende am nordöstlichen Ende der Insel Arrouix, so ging die Sonne bei genügend hohem Wasserstand über der Insel Moron auf – diesmal stimmte die fünf Kilometer lange Wasserstrasse mit der heiligsten Richtung des Jahres überein.

 

Stand man am Abend der Wintersonnwende am südöstlichen Ende der Insel Arrouix, so ging die Sonne über der Insel de la Chenaie unter – die rund einen Kilometer lange Wasserstrasse ging nocheinmal mit der astronomischen Linie einher.

 

(Vor 6'500 Jahren betrug die grösste Weite des Mondaufganges zwischen 46 und 47 Grad, Tangens 21/20 oder näherungsweise 1/1. Die Weite der Sonnwenden betrug 37,2 Grad, Tangens 3,036 zu 4 oder praktisch 3/4.)

 

Menhir 7b / Menhir 7c / Menhir 7d / Menhir 7e / Menhir 7f

 

Silbermöwe las die schönsten Figurensteine aus und liess auf der Insel Héron ein Mondheiligtum errichten, an den Enden der langgeschwungenen Insel Arrouix zwei Sonnenheiligtümer.

 

Das Mondheiligtum bestand aus vier Figurensteinen, welche die Ecken eines genordeten Quadrates markierten. Die Seiten gaben die kardinalen Himmelsrichtungen an, die Diagonalen den nördlichsten und südlichsten Mondaufgang und –untergang im Zyklus der 18,61 Jahre.

 

Die Sonnenheiligtümer bestanden aus je fünf Figurensteinen, von welchen je vier ein genordetes Rechteck bildeten, während der fünfte die Mitte angab. Die Seiten massen 3 und 4 Einheiten, die Diagonalen 5 Einheiten. Die kurzen Seiten gaben die Nord-Süd-Richtung an, die langen Seiten die West-Ost-Richtung, die Diagonalen die Sonnenaufgänge und -untergänge an den Tagen der Sonnwende. Die äusseren Figurensteine bezeichneten die Wochen des 21. Dezember, 21. März, 21. Juni und 23. September. Der fünfte Figurenstein im Schnittpunkt der Diagonalen markierte sowohl den Anfang des Sommerhalbjahres im frühen Mai, wenn die Fischer, Jäger und Sammler die Inseln verliessen, als auch den Beginn des Winterhalbjahres im frühen November, wenn sie auf die Inseln heimkehrten.

 

Menhir 7g / Menhir7h

 

 

Um’s Jahr 4'300 (4'500? 4'700?) BC ereignete sich leider eine besonders schwere Überschwemmung der Loire-Inseln, worauf ein junger Stammführer mit seinen Getreuen in den Westen auswanderte. Nach mehreren Jahren gelangten sie ins Tal des Doubs und liessen sich in der Gegend von Baume-les-Dames nieder. Es folgte eine Reihe harter Jahre. Da fand ein Mädchen einen verletzten Kolkraben und nahm ihn nachhause. Nachts erschien er ihr im Traum und sprach sie an: Meine hübsche Retterin, pflege mich gut, so will ich Deinem Stamm helfen! Das Mädchen tat wie ihm geheissen, pflegte das Tier, und fand Gefallen an seinen vielfältigen Lauten. Manchmal schien es ihr wirklich, als ob der Vogel mit ihr rede. Er genas. Eines Morgens breitete er seine Schwingen aus, flatterte in die Höhe, krächzte, drehte drei Runden über den Köpfen der Kinder, Frauen und Männer, und flog auf die Sonne zu, in Richtung der Schweizer Hügel und Berge. Der Ruf des Vogels war gewiss ein Zeichen! Die Leute packten ihre Habe zusammen, folgten dem Raben über den Jura und kamen zum Neuenburgersee, wo sie ein ähnliches Wunder wie in ihrer Heimat vorfanden: gab doch die längste Länge des Sees, von Clendy aus gesehen, die heilige Linie des Sonnenaufgangs am frühen Morgen der Sommersonnwende vor  Menhir 7i / Menhir 7j / Menhir 1a / Menhir 2a

 

Der Stammführer war dem Rabenvogel so dankbar, dass er seinen Namen von Silbermöwe in Kolkrabe änderte. Am Seeufer lagen zahlreiche Findlinge. Kolkrabe wählte sieben Steine aus, liessen sie bearbeiten und dann in Form eines grossen Vogels, gleichzeitig Möwe und Kolkrabe, auf der ufernahen Insel von Clendy aufstellen  Menhir 1b

 

Der Vogel zeigt einen imposanten Kopf mit einer hohen Ecke, Schnabel und Nase zugleich (Aufnahme Steve Gnädinger)  Menhir 7k  Der mächtige Menhir erweist Kolkrabe als Anführer und Beschützer seiner Leute. Der grösste Stein der Anlage markiert die Woche des 23. Septembers wie auch den Höhepunkt des vegetativen Jahresreigens und mag mit seinen Ausmassen eine gute Ernte versprechen. Damit erweist er Kolkrabe auch als Pionier des frühen Ackerbaus in der Nachfolge von Silbermöwe und Morgensonne aus Nantes.

 

Die Nachfahren von Silbermöwe und Kolkrabe erhoben ihre Ahnen in den Rang eines Schutz- und Erntegottes. Auf solche Weise überlebte der Vogelmann bis in die keltische Zeit hinein.

 

Der Vogelmann ist als Reiter auf mehreren keltischen Münzen aus der Bretagne abgebildet. Marie König verweist auf eine Goldmünze der Nemeter aus der Bretagne. Die Nemeter siedelten allerdings am Rhein, in der Gegend von Mainz. Vielleicht verwechselte Marie König die Nemetes mit den Namnetes aus der Gegend von Nantes? Auf der besagten Münze sieht man ein Pferd, unter seinem Bauch einen Sonnenkalender in Form eines leicht schrägen Kreuz mit betonten Ecken und hervorgehobener Mitte, unter seiner Brust eine Lyra zur Feier des Sonnenaufganges, auf seinem Rücken einen Reiter mit auffällig grosser, spitz vorspringender Nase, einem indianisch anmutenden Federschmuck auf dem Kopf, und einem ovalen (oder perspektivisch zum Oval abgeflachten) Schild, auf dem als Emblem ein Vogel mit ausgebreiteten Schwingen zu sehen ist  Menhir 7l  Merkwürdig sind die Arme des Mannes, denn sie werden von Erntesicheln gebildet: die Stiele geben die Unterarme vor, die Ansätze der Klingen die Oberarme und Schultern, die Rücken der mittleren Klingenbögen berühren sich vor der Brust des Mannes, während die nach unten hin auslaufenden, zur Seite schwingenden Enden weibliche Brüste evozieren (so dass Marie König an Epona denkt). Die kühne Kombination von Sicheln (womit man Halme schneidet), Armen (welche die Sicheln schwingen) und (nährender) weiblicher Brüste macht aus diesem Reiter einen Erntegott.

 

Derselbe Reiter ist auf einer festlichen Goldmünze der Redonen zu sehen, die im Tal der Vilaine zwischen der Loire und Carnac ansässig waren. Die drei Punkte der linken Hand repräsentieren wohl den Kalender des Sommerhalbjahres  Menhir 7m  Auf einer weiteren Redonen-Münze mutieren die Kalenderpunkte zum Knauf eines Schwertes und erweisen den Vogelmann und Erntegott auch als Beschützer seines Volkes.

 

Eine Goldmünze der ursprünglich belgischen Cunobeline (Cymbeline) aus Camulodunum (Colchester, Essex, nordöstlich von London) zeigt eine grosse Ähre bzw. eine kleine Ähre und einen fliegenden Vogel über dem Pferd. Der Vogel gleicht dem Plan der sieben Rabenmenhire von Clendy  Menhir 7n

 

Die im ersten Teil besprochene Goldmünze der Uneller mag die Apotheose des Vogelmannes darstellen  Menhir 7o

 

Eine Goldmünze der Armorikaner (Bretagne) zeigt den Vogelmann mit einer grossen Nase und einem zum Raben geschrumpften Körper auf einem menschgesichtigen Pferd. Neben dessen Kopf und Brust erscheint anstelle des üblichen Kalenders ein Quadrat mit betonten Ecken und 6 mal 7 Feldern; unter seinem Körper ein grosser Lebensbaum  Menhir 7p

 

Auf einer ostkeltischen Münze sitzt eine Frau schräg auf dem Pferd und hält einen Zweig hoch (meine Inspiration für Morgensonne im obigen Märchen)  Menhir 7q

 

Mit welcher Liebe die Normannen und ihre Abkömmlinge mit Pflanzen umgingen, mag eine Passage aus dem charmanten Kirchenbuch von Bozeat (ursprünglich Beau Jet) geben: Bozeat people know a good deal about herbs and use a great variety for making wines! An old book refers to the common of the Northampton side of the road leading into Backinghamshire and calls it „Bozeat Plain“. The Victorian History of Northants says that on this land are some coppies yielding:- the columbine, the zigzag clove, the lady’s mantle, the bambler, the orpine, the great burnet saxifrage, the shepherd’s rod, the heath groundel, the saw wort, the fell wort, the herb Paris, and the small reed grass. So evidently Bozeat people always had a good choice!

 

Die hypothetischen, aus je fünf Menhiren gebildeten Heiligtümer auf der Insel Arrouix mochten bis in die keltische Zeit hinein bestanden haben und verstanden worden sein. Die Goldmünze der Nemeter oder eben wahrscheinlich Namneter mag die Erinnerung an sie bewahren. Der Vogel auf dem Schild könnte gar die langgeschwungene Insel wiedergeben  Menhir 7r  Die Schwingen des Vogels gleichen der Insel. Es wäre schön, wenn es in der Mitte der Insel Arrouix einen Felsen in Form eines Vogelkopfes gäbe …

 

Die ältesten Menhire in der Region sollen 6'500 Jahre alt sein. Es gibt auch welche am Südufer der Loire auf der Höhe der Inseln de la Chenaie und Arrouix (wenn ich mich recht an einen kleinen Plan erinnere). Später überwinterten die Wikinger auf den Loire-Inseln. Heute sei die Insel Arrouix ein Natur- und Vogelparadies. Weiler um die Insel heissen La-Pierre-Percée, Bel-Air und Beau-Soleil.

 

Die Länge der Insel Arrouix bei Mauves-sur-Loire misst rund 3,4 km, auf meiner Karte 34 mm, die Höhenlinien geben Unterschiede von 20 m an. Auf der Insel sind keine Höhenlinien eingetragen. Es ist lediglich ein Gebäude eingezeichnet, genau an der Stelle, wo ich einen Felsen in Form eines Vogelkopfes erhoffe. Es wäre nur logisch, dass man bei der Gefahr von Überschwemmungen ein Gebäude an höchster Stelle baut, also auf einer leichten Anhöhe oder einem Felsen. Gäbe es einen Felshügel, so wäre er weniger als 20 m hoch. Das darauf errichtete Gebäude hätte allerdings die Felsform beinträchtigen können.

 

Das Menhir-Heiligtum von Crucuno, Plouharel, Carnac, bildet ein genordetes Rechteck aus (immer noch?) 22 Menhiren: Masse rund 13,6 Meter mal rund 18,1 Meter, Verhältnis 3/4. Eine Zeichnung bewahrt die Erinnerung an ein früheres Rechteck in Lanvéoc, Finistère, welches auf die West-Ost-Achse bezogen war: die östliche Seite zählte sieben Steine mit 6 Zwischenräumen, die südliche Seite neun Steine mit 8 Zwischenräumen. In der westlichen Bretagne soll es viele Rechtecke gegeben haben, die alle entfernt worden waren. Die von mir vermuteten Heiligtümer auf der Insel Arrouix könnten dasselbe Schicksal erlitten haben.

 

Im nächsten Kapitel folgen Interpretationen der Menhire von Monteneuf, Menec West und Kerlescan West, wobei ich der Einfachheit halber nocheinmal eine durchzogene Märchenform verwende.

 

 

 

Das Weltei von Carnac

 

Die Himmelsregion der Sternbilder Cygnus, Lyra und Aquila, mit den hellen Sternen Deneb (alpha Cygni), Wega (alpha Lyrae) und Atair (alpha Aquila). Cygnus als grosse weibliche Silbermöwe, Deneb ihr Auge, Wega ihr Ei  Menhir 6r

 

Cygnus als grosse männliche Silbermöwe, zusammen mit dem Wega-Samenkorn, dem Lyra-Ährenbeutel und dem Aquila-Beil  Menhir 6s / Menhir 6t

 

Die Himmelsregion von Draco; die Draco-Schlange und das Wega-Ei  Menhir 6u

 

 

Die Grosse Silbermöwe, aus deren Ei die Urahnen aller Geschöpfe hervorgegangen waren, erschien am Himmel im Sternbild Cygnus, ihr Auge im hellen Deneb, ihr Ei in der noch helleren Wega.

 

Die Silbermöwe flog an der Milchstrasse einher und nahm mit ihren ausgebreiteten Schwingen deren ganze Breite ein. Der Cygnus-Vogel war weiblich und männlich. Wega war sowohl ein Ei als auch ein Samenkorn. Die weibliche Silbermöwe legte das Wega-Ei, die männliche Silbermöwe hütete das Wega-Samenkorn.

 

Wega, der hellste Stern des Sommerdreiecks Deneb – Atair - Wega, gehört zum Sternbild Lyra. Dieses liegt in einer besonders sternreichen Region der Milchstrasse. Das Parallelogramm der schwächeren Sterne zaeta - beta - gamma - delta Lyrae war der himmlische Ährenbeutel. Die vielen Sterne um Lyra waren Getreidekörner, ebenso die Lyriden vom 21./22. April (falls diese schon früher zu sehen waren, heutige Zenitrate 12 Meteore pro Stunde; mehr zu diesem Thema im letzten Kapitel.)

 

Atair und mehrere andere Sterne von Aquila formen das himmlische Beil. Das Beil war das Werkzeug zum Roden der Wälder und Bearbeiten des Holzes, überdies ein Sinnbild von Macht.

 

Vor 6'500 Jahren lag der nördliche Himmelspol bei iota Draconis. Das lange Sternbild Draco (eines der ältesten Sternbilder) war die Grosse Schlange, Herrscherin des Himmels und Richterin der Seelen. Wenn ein verstorbener Stammesführer auf eine Wiedergeburt im Sternbild Cygnus hoffte, so ging er in das Ei der Silbermöwe ein. Hierauf unterzog die Schlange das Ei einer Prüfung. War das Herz des Vogelmannes rein und leicht, so gab die Schlange das Ei der Silbermöwe zum Ausbrüten. War es hingegen schwer von Sünden und Vergehen, so verschlang sie es. Ein Stammes führer hatte grosse Macht, war aber auch einer höheren Instanz verpflichtet: das Wohl der Gemeinschaft ging vor.

 

Die guten Stammesführer gingen in Cygnus ein, die Weisen in Draco, die Bauern und Krieger in Aquila.

 

Die Cygnus-Möwe kreiste um den nördlichen Himmelspol, erhob sich an den Zenit, senkte sich auf die Erde hinab, nahm die Bitten und Wünsche der Menschen entgegen und flog wieder in den Himmel hinauf. Im Winterhalbjahr standen Deneb und Wega jeweils für eine Weile waagrecht am nördlichen Horizont, Wega exakt im Norden, In diesen Momenten vertraute man der Grossen Silbermöwe Bitten und Wünsche an.

 

Ein bedeutender Stammesführer liess in Monteneuf, Morbihan, ein Bild der himmlischen Silbermöwe errichten, welche aus zwei je rund 80 m langen, gekreuzten, leicht geschwungenen Linien besteht, Cygnus gleicht und nach Norden blickt (Plan der Menhire nach Alexander Thom und Aubrey Burl)  Menhir 7s

 

Am frühen Morgen der Sommersonnwende, um 3 Uhr, am Beginn der bürgerlichen Dämmerung, eine Stunde vor Sonnenaufgang, schwebte das Wega-Ei am Zenit.

 

Ein weiterer Stammesführer glaubte, das ehemalige Nest der Grossen Silbermöwe in der flachen Anhöhe von Menec West, Carnac, gefunden zu haben. Er liess die Anhöhe mit Menhir-Bögen einfassen, welche Schalenstücke des aufgebrochenen Wega-Eis darstellen, ausserdem zwei Reihen Menhire aufstellen, welche zum Grossen Ei hinführen (Plan der vermutlichen ersten Anlage von Menec West nach Alexander Thom und Aubrey Burl, Grautöne FG)  Menhir 7t / Pseudo-Perspektive mit Wega und Cygnus am frühen Morgen der Sommersonnwende, Wega im Zenit, der Cromlech als imaginäres Weltei  Menhir 7u

 

Aus dem Ei der Grossen Silbermöwe waren die Urahnen aller Geschöpfe und Geschlechter hervorgegangen. Wieviele mochten es gewesen sein? Diese Frage löste man auf ebenso einfache wie geschickte Weise. Man nahm eine schön gewachsene Melone, höhlte sie sorgfältig aus, füllte sie mit Getreidekörnern, und leerte sie auf einen flachen Stein: so viele Urahnen waren aus der Dotterkugel des himmlischen Eis hervorgegangen, so viele Menhire konnte man in der Region von Carnac aufstellen und als Urahnen aller Geschöpfe und Geschlechter anrufen … (Das Ei von Menec West ist 70 m breit und 91 m lang. Die Dotterkugel hatte einen Durchmesser von rund 50 m. Ihr Volumen entspräche zehntausend Menhiren mit einem Volumen von durchschnittlich sechs Kubikmetern)  Menhir 7v

 

Menec West war ein Denkmal für den Stammesführer, Menec Ost ein Denkmal für seine Frau. Der Sohn der beiden liess die ähnlich lange Anlage von Kermario für sich und seine Gemahlin erbauen. Kermario und Menec bildeten zusammen einen leicht gebogenen Pilgerweg mit einer Länge von über zwei Kilometern. Die beiden Herrscher und ihre Frauen waren sehr beliebt, weshalb man ihre Anlagen ausbaute. So verlängerte man den Aufweg von Menec West und vermehrte die beiden ersten Reihen auf elf parallele Reihen. Obschon seither viele Steine verschwanden, zählen die Anlagen von Menec und Kermario zusammen immer noch mehr als zweitausend Menhire.

 

Ein Nachkomme der obigen Stammesführer liess einen neuen Pilgerweg errichten, nämlich die kurzen Anlagen von Petit-Menec und Kerlescan. Der Pilgerweg begann wieder im Nordosten, machte dann aber einen Knick und führte zum Cromlech von Kerlescan West. Dieser stellte zusammen mit den beiden ersten Reihen des flachen Aufweges das Aquila-Beil wie auch den Lyra-Ährenbeutel dar. Nördlich folgte ein langes Hügelgrab, sodann der grosse Halbkreis eines riesigen Welteis mit zwei weiteren Schalenstücken. Das Ei wäre ausgezogen 200 m breit und 300 m lang. Die Dotterkugel hätte einen Durchmesser von 140 m, ihr Volumen reichte für 200’000 Menhire mit einem durchschnittlichen Volumen von sechs Kubikmetern. Auch Kerlescan West war ein Heiligtum vom frühen Morgen der Sommersonnwende. (Plan des dezimierten Cromlechs und des wahrscheinlichen ersten Aufweges von Kerlescan West nach Alexander Thom und Aubrey Burl)  Menhir 7w / Pseudo-Perspektive mit der Cygnus-Möwe, dem Wega-Samenkorn, Lyra-Ährenbeutel und Aquila-Beil am frühen Morgen der Sommersonnwende, Wega im Zenit  Menhir 7x  Nachfolger des in Kerlsecan begrabenen Häuptlings erweiterten den Aufweg zu einem Fächer von Steinreihen, welche die Auf- und Abbewegung des Aquila-Beiles, einen Beobachtungsfächer, und die Aussaat aus dem Lyra-Körnerbeutel darstellen (Plan der aktuellen Anlage nach Alexander Thom und Aubrey Burl, Farben FG)  Menhir 7y  Eine Gravur aus dem Jahr 1887 zeigt den vollständigen Cromlech und an seiner nordwestlichen Ecke einen hohen Menhir, den man vielleicht als Ähre verstehen kann (hier nicht zu sehen).

 

Weitere Schalenbögen des Wega-Eis finden sich in Crucuny, Carnac, und Le Moulin, Morbihan; Ährenbeutel in Kergenan, Carnac, und Le Grand Rohu, Morbihan. Besonders schön das halbe Ei (heute im Wasser) und der Ährenbeutel (teilweise im Wasser) auf der kleinen Insel Er Lannic en Arzon im Golf von Morbihan. Die restaurierte Table des Marchand in Loqmariaquer, Morbihan, zeigt das flache Schalenstück des breiten Ei-Endes auf einer niederen Rundmauer. Ausgezogen würde das Ei tief in die Erde hinabreichen. Die Anlage ist ein Grab, der Stammesführer hoffte wohl auf eine Wiedergeburt in Cygnus und liess sich darum in einem Wega-Ei bestatten.

 

Auf den Grabkammern von Menio 2, Carnac, finden sich Reliefs von Schlangen und vom Aquila-Beil (Klinge nach links), auf dem grossen Menhir von Manio 2 nocheinmal Schlangen.

 

Schlangen und Aquila-Beile (Klingen meist nach links) waren beliebte Reliefs auf Platten und Pfeilern von Ganggräbern. Weitere häufige Symbole waren Sicheln. Man findet auch realistische und ebenso kühn wie liebevoll abstrahierte Ähren. Ein Relief auf einem Stein des Ganggrabes der Insel Longue en-Larmor-Baden zeigt einen hohen, an eine Ähre gemahnenden Kopf (schematische Zeichnung)  Menhir 7z  Andere Reliefs zeigen breite Köpfe, deren Haare Ährenfeldern gleichen. Der Vogelmann war eben auch der Ährenmann.

 

 

 

Drei-Seen-Land, Wallis und Genfersee

 

Anfang Juli studierte ich eine kleine Abbildung der Menhire von Lutry bei Lausanne und glaubte in ihnen eine Darstellung des Genfersees zu erkennen. Die lange Reihe grosser Steine wäre der Obersee, der kurze flache Bogen kleiner Steine der Untersee, der verzierte kleine Stein entspräche der Region von Céligny, und analog könnte man die sieben Rabenmenhire von Yverdon als Plan der Juraseen lesen. Am 10. Juli gingen mein Bruder Steve und ich auf eine archäologische Ferienreise. Wir fuhren nach Göschenen, danach durch das Oberwallis. In Brig regnete es und war kalt. Als wir nach Sion kamen, gingen Tal und Himmel auf und gaben den Blick frei auf ein weites Rund von Bergen und Hügeln. Eine weisse Wolke hing wie ein Nerz um einen Berg. Wir fuhren nach Lutry, wo wir am späten Nachmittag eintrafen. Steve fotografierte die Menhire und den See. Danach schlug er vor, dass wir einen Tag in Sion verbringen. Am Morgen des 11. Juli verirrten wir uns in den Rebbergen der Schlosshügel Tourbillon und Valére. Obschon Sion nur etwa 500 m über Meer liegt, herrscht ein alpines Klima, am Südhang des Hügels Valère war es so heiss, wie ich es mir in der Provence vorstelle; zwischen allerlei blühenden Steinkräutern gedieh ein grosser Kaktus. Am Nachmittag besuchten wir das schön gelegene und sehenswerte archäologische Museum an der westlichen Flanke der Schlosshügel. Das Personal war sehr freundlich, gern zu Auskünften bereit und zu Recht stolz auf die bedeutende archäologische Vergangenheit von Sion. Danach besuchten wir die Menhire vom Chemin des Collines im archäologischen Pärklein von Sion. Steve fotografierte sie am frühen und nocheinmal am späten Nachmittag. Am 12. Juli fuhren wir nach Montreux und nahmen das Schiff nach Lausanne, Nyon und Genf. Es war eine schöne aber lange Fahrt. Ich wollte schon aufgeben und bei Nyon aussteigen, aber Steve meinte, dass wir es noch mit Céligny versuchen sollten. Er hatte Recht. Wir fanden einen schönen Hügel mit prächtiger Aussicht und mehreren möglichen Menhiren. Die Reise war ein archäologisches Abenteuer, das uns an die schönsten Orte führte.

 

Es folgt eine neue These in Bezug auf die Menhire von Yverdon, der Einfachheit halber nocheinmal in Märchenform, danach eine These in Bezug auf die Menhire von Sion im Unterwallis und Lutry am Genfersee.

 

 

Zwischen 4600 und 4300 BC gelangten Kolkrabe und seine Leute via Burgund in die Schweiz und sahen in den Juraseen einen grossen Vogel, den sie mit den sieben Rabenmenhiren von Yverdon-Clendy darstellten  Menhir 8a / Menhir 8b

 

     Wintermenhir A --- La Caroline, Les Brenets am Doubs

 

     Frühlingsmenhir B --- Biel am Bielersee

 

     Beltaine/Samhain-Menhir C --- Neuchâtel am Neuenburgersee

 

     Sommermenhir D --- Yverdon am Neuenburgersee

 

     Herbstmenhir E --- Murten am Murtensee

 

     Flügelmenhir F --- Payerne an der Broye

 

     Flügelmenhir G --- Aarburg an der Aare

 

Über Neuchâtel oder Neuenburg befindet sich das Felsrund Creux du Van. Die 1'700 m lange, bis 170 m hohe Felswand aus hellem Jurakalk formt ein halbes, schräg aufgebrochenes Ei. Hier, in diesem eindrücklichen Felsrund, hatte der Grosse Vogel sein Ei gelegt, und aus dem Ei waren die Urahnen aller hiesigen Geschöpfe und Geschlechter hervorgegangen. Ihnen waren die Menhire auf dem Plateau von Bevaix am nördlichen Ufer des Neuenburgersees geweiht. (In der Region von Bevaix und Saint-Aubin/Derrière la Croix und weiteren Orten am nördlichen Ufer des Neuenburgersees sind infolge des Autobahnbaus und weiterführender archäologischer Prospektionen viele Menhire und Schalensteine zum Vorschein gekommen. Liest man die Menhire von Yverdon im geographischen Sinne, so entsprächen die Steine zwischen dem Frühlingsmenhir und dem Sommermenhir den Steinen am nördlichen Ufer des Neuenburgersees, zwischen Neuchâtel und Yverdon, der Froschmenhir den Menhiren von Bevaix.)

 

Drei sog. Venus-Figürchen von Neuchâtel/Moruz, 15'000 Jahre alt. Marija Gimbutas erklärt solche steatopygische Frauenfiguren als Trägerinnen des Welteis. Die Vorstellung der Schöpfung aus einem Ei dürfte also in der Region von Neuenburg schon lange vor der hypothetischen Einwanderung eines Stammes aus der Bretagne bestanden haben  Menhir 6w

 

 

Die Nachfolger von Kolkrabe expandierten an den Genfersee und ins Wallis, wo sie dem westlichen Ausläufer der Kultur des Valcamonica begegneten und wo der Ackerbau schon um 6000 BC betrieben worden war  Menhir 8c

 

Ein früher Nachfolger von Kolkrabe zog um 4300 BC nach Sion im Unterwallis, wo er die Menhire vom Chemin des Collines aufstellen liess. Diese Steine symbolisierten das Wallis und die Pappeln, welche schon im Neolithikum den Lauf der Rhone säumten. Das Areal des Petit-Chasseurs befindet sich südwestlich der Hügel Tourbillon und Valère. In der Wochen der Sommersonnwende ging die Sonne aus dem Hügel Tourbillon auf, am Beginn des Sommerhalbjahres aus dem Hügel Valère, ebenso im frühen August.

 

Drei Menhire dienten dem Anvisieren der Sterne Castor und Pollux (Sternbild Gemini): man stand nördlich neben dem ersten Stein der Reihe und legte den Arm als Stütze auf die Oberfläche in Form einer Armlehne (wo noch immer eine Hand in Form eines hellen, von den Flechten gemiedenen Flecks zu sehen ist), hierauf bewegte man den Kopf ein wenig nach links oder rechts, bis die hohe Kante des zweiten Menhirs mit jener des fünften Menhirs übereinstimmte. Castor und Pollux waren von Anfang August bis Mitte Dezember zu sehen: Anfang August am Morgen kurz vor Beginn der Dämmerung, Mitte Dezember am Abend kurz nach dem Eindunkeln. Das Erscheinen der beiden Sterne wurde von zwei Meteorschauern begleitet, nämlich von den Perseiden und den Geminiden. Die hellen Perseiden erscheinen von Ende Juli bis Mitte August. Am meisten Meteore sind vom 10. bis 13. August zu sehen. Am 11. und 12. August erreichen sie eine maximale Zenitrate von 60 Meteoren pro Stunde (Radiant im nördlichen Teil von Perseus). Die Geminiden erscheinen vom 7. bis 15. Dezember. Am 13. und 14. Dezember erreichen sie eine maximale Zenitrate von 50 bis 60 Meteoren pro Stunde (Radiant bei Castor).

 

Die Perseiden haben ihren Ursprung im Kometen 109 P / Swift-Tuttle, der nachweislich im Jahr 67 BC beobachtet worden war. Kometen können nach einigen hundert Jahren vergehen, oder zehntausend bis eine Million Jahre überstehen. Wir dürfen annehmen, dass es die Perseiden auch vor 6'300 Jahren gab. Die Geminiden haben ekliptikalen Ursprung, waren also mit Sicherheit schon damals zu sehen.

 

Was bedeuteten die Meteore? Die fliegenden Sterne waren die Seelen guter Verstorbenen, welche an den Himmel eingingen.

 

Die Menhire von Sion kamen bei einem Baggeraushub zum Vorschein. Neun oder zehn Steine standen im Boden, zwei lagen, dazu kamen liegende Platten und ein paar mögliche Menhire. Jean-Olivier Bocksberger nahm den Plan der Bodenlöcher auf. Elf Menhire wurden in einem kleinen archäologischen Pärklein rund 250 m westlich der Baugrube aufgestellt, zwei Platten hingelegt. Die Morgenweite der neue Visierlinie beträgt rund 12 Grad, jene der ursprünglichen Visierlinie dürfte gemäss dem Plan von Jean-Olivier Bocksberger rund 6 Grad gemessen haben. Die folgende Abbildung zeigt eine vereinfachte Pause des Planes, die Sonnenaufgänge über den Hügeln Tourbillon und Valère (schematisch), sowie das Anvisieren der Sterne Castor und Pollux  Menhir 8d

 

Die „Armlehne“ und die beiden Visiersteine hintereinander (vom hinteren Stein sieht man nur eine sehr feine hellgraue Linie)  Menhir 8e / Menhir 9w

 

Aufnahmen einzelner Menhire, abwechselnd mit Aufnahmen von Pappelstämmen  Menhir 8f / Menhir 8g / Menhir 8h / Menhir 8i / Menhir 8j / Menhir 8k / Menhir 8l / Menhir 8m / Menhir 8n / Menhir 8o / Menhir 8p / Menhir 8q / Menhir 8r / Menhir 8s

 

Um 3800 BC gelangte ein anderer Nachfolger von Kolkrabe nach Crans-près-Céligny am Genfersee. Er bewohnte einen Hügel, den er als Vogelhügel ansah. Vom Kopf des Hügels hatte er einen prächtigen Blick auf den Rücken, den Léman (Genfersee), die Berge des Chablais am französischen Ufer, insbesondere die Pointe de Grange und den Gipfel Voirons am Beginn eines längeren Hügels, sowie über die Bäume am nahen Bach. Von hier aus ging die Sonne das ganze Jahr über dem See auf, wobei die zahlreichen fernen Hügel und Bergspitzen als Kalendermarken dienten. Heute steht auf dem Kopf des Vogelhügels eine Kapelle, auf dem Rücken ein grosses Schloss. Rundblick von der Kapelle aus:  Menhir 8t / Menhir 8u / Menhir 8v / Menhir 8w

 

Eine Strasse führt über den Hügelrücken am Schloss vorbei an den Bahnhof hinab. Am Ende des Rückens biegt eine Nebenstrasse ab, welche dem Schwanz des Vogelhügels entspräche; sie heisst Montoiseau, Vogelberg. In der Kurve der Hauptstrasse oberhalb des Bahnhofes steht ein grosser Stein mit zwei Gipfeln, welche die Pointe de Grange und den Gipfel Voirons anvisieren  Menhir 8x  Derselbe Stein, von der Seite gesehen  Menhir 8y  Daneben finden sich drei kleinere Steine, von denen einer Schultern aufweist  Menhir 8z

 

Ein Nachfolger des Vogelmannes von Crans-près-Céligny verbrachte jeweils den Sommer in der Region der Juraseen und den Winter am Genfersee und im Wallis. Im Oktober zog er in die Region von Lausanne, Pully und Lutry am Genfersee, im Frühling an den Neuenburgersee. Er liess die balzenden Kolkraben auf dem Frühlingsmenhir von Clendy anbringen, welche zum einen den Jahresreigen der Fruchtbarkeit einleiten, zum anderen die beiden Kulturen der Juraseen und des Wallis mit dem Genfersee darstellten: der obere Vogel war der Kolkrabe vom Jura, der untere Vogel war der Kolkrabe vom Wallis und Genfersee: sein Kopf war Sion, seine linke Schwinge war das Wallis, seine rechte Schwinge war der Genfersee mit Lutry und Crans-près-Celigny  Menhir 9a

 

Dieser Vogelmann, Herrscher über die nördliche und südliche Vogelregion, liess um 3500 BC die Menhire von Lutry aufstellen. Die 15 m lange Reihe grosser Platten mit planen, fein gerillten und gewellten Oberflächen symbolisierte den Genfersee von Villeneuve, Chillon und Montreux bis ungefähr nach Rolle, der 6 m lange, flache, nach Süden gewendete Bogen kleiner Steine den schmalen Untersee von Gland und Nyon bis Genf. Die Rückseite der grossen Menhire offeriert eine Visierlinie für den Sonnenuntergang im Oktober, während der ausklingende Bogen der kleinen Steine die Wintersonnwende markiert. Im Sommer bescheint die untergehende Sonne die Rückseite der grossen Menhire, im Oktober nur noch die Rückseite der kleinen Menhire; am 21. Dezember bleibt die ganze Rückseite schattig. Auf der Vorderseite eines kleinen Menhirs liess der Vogelmann ein Kreuz anbringen: es erinnert an den Vogelmann von Crans-près-Céligny (das Wappen dieser Gemeinde ist übrigens ein Kreuz) und vereint das Bild eines Vogels mit jenem des Kalenders von Clendy. - Die Menhire von Lutry als Darstellung des Genfersees, unter Verwendung einer Aufnahme und eines Planes von Jean-Louis Voruz  Menhir 9b

 

Später wurde der kleine Menhir im Stil von Sion dekoriert (nach einer Zeichnung von Sébastien Favre, links mit hervorgehobenem erstem Kreuz)  Menhir 9c

 

Bilder vom Genfersee bei Lutry, abwechselnd mit Oberflächenaufnahmen der grossen Menhire  Menhir 9d / Menhir 9e / Menhir 9f / Menhir 9g / Menhir 9h / Menhir 9i / Menhir 9j / Menhir 9k / Menhir 9l / Menhir 9m / Menhir 9n / Menhir 9o / Menhir 9p / Menhir 9q / Menhir 9r

 

Im archäologischen Pärklein von Sion steht ein rund 2 m langes Steinkistengrab aus Pully bei Lutry. Es war einst nach Westen und Osten ausgerichtet, mit einer kleinen Drehung des Kopfendes nach Norden, analog der Visierlinie von Sion. Im Grab lagen drei Skelette, ihre Köpfe gen Osten. Die südliche Platte zeigt einen nach Osten blickenden Vogel mit einem grossen Flügel  Menhir 9s  Auf einem flachen Steinkistengrab im selben Pärklein liegt eine Deckplatte in Form eines Flügels  Menhir 9t  Im selben Pärklein liegen zwei grosse Platten, welche bei den Menhiren gefunden worden waren. Auch sie weisen Flügelformen auf  Menhir 9u

 

Mit einem besonderen Segen konnte ein Schamane aus jeder gewöhnlichen Steinplatte Flügel machen, welche den Seelen der Verstorbenen die Reise im Strom der Perseiden und Geminiden und also das Eingehen in den Himmel ermöglichten. Jeder Verstorbene bekam eine solche Platte. Man legte die grösseren und kleineren Platten zu den Gräbern der wichtigsten Stammführer und schichtete sie zu langen Dreiecken auf, welche einen Sektor im Strom der Perseiden und Geminiden darstellen. Hier als Beispiel das Grabmal des Petit-Chasseur 1 (Rekonstruktion des Dolmen MVI, Zeichnung Kolja Farjon)  Menhir 9v  Jeder geweihte Stein war der Flügel einer Seele. Alle Steine zusammen bilden einen Sektor im Strom der Perseiden und Geminiden, über welche die Seelen der guten Verstorbenen an den Himmel eingingen. Auf der Erde lebten sie beisammen, und auch am Himmel wollten sie zusammen sein, denselben himmlischen Sektor bewohnen.

 

Die Ruine der Anlage MVI findet sich ebenfalls im archäologischen Pärklein von Sion.

 

Die langen Dreiecke der Grabanlagen von Sion (Petit-Chasseur 1 bis 3) bewahren ferner eine Erinnerung an die Visierlinien der Menhire vom Chemin des Collines  Menhir 9w

 

Quer über den östlichen Visierstein verläuft eine Bruchlinie, wohl eine erodierte Ader, welche eine Meteorbahn evozieren mochte  Menhir 9x  Der Stein gleicht dem Stamm einer Pappel. Dieser Baum ist charakteristisch für das Unterwallis, er säumte die Rhone schon in neolithischer Zeit, er liefert gutes Holz, und er hat eine grosse Lebenskraft – wenn seine Äste brechen, oder wenn man sie schneidet, so treibt er im Frühling neue Zweiglein, die zu Ästen heranwachsen.

 

Die Stammesführer vom Valcamonica und von Sion trugen auf der Brust Anhänger, die aus zwei Rundformen bestanden, entweder aus konzentrischen Kreisen oder Spiralen. Die Anhänger symbolisierten vielerlei: Sonne und Mond; die Augen der Cygnus-Möwe, die dem Vogelmann eine gleichsam hypnotische Macht verliehen; weibliche Brüste, welche ihn als Ernährer seines Stammes ausweisen; überdies die radial ausstrahlenden Perseiden und Geminiden, die wie Milchtropfen aus unsichtbaren himmlischen Brüsten hervorschiessen  Menhir 9y  Die einst 250 cm hohe Stele des Dolmens MVI der Anlage Petit-Chasseur 1 ist mit einem solchen Anhänger dekoriert, beide .Scheiben zählen je 8 Kreise. In Sion fand sich ein kleiner Anhänger aus Bronzedraht in Form gegenläufiger Spiralen.

 

Aus dem Sternbild Lyra, dem die helle Wega angehört, gehen die Lyriden hervor, welche am 21. und 22. April eine stündliche Zenitrate von 12 Meteoren erreichen. Falls der auslösende Komet C/1861 G1 schon im Neolithikum bestand, wären diese Meteore die Körner aus dem Lyra-Ährenbeutel gewesen.

 

Der „kleine Jäger“ im Dolmen MVI war mit einer Halskette ausgestattet, welche aus sechs Bronzestäbchen mit Ringen bestand. Diese symbolisierten auch wieder mehrerlei: Sonnenstrahlen; Meteore, die Perseiden und Geminiden, Himmelsfähren für den Stammesführer und seine Lieben; allenfalls auch die Lyriden als kleine Wega-Eier und Wega-Samenkörner, Keimzellen neuen Lebens an der himmlischen Rhone; fliegende Milchtropfen und Körner als Nahrung für die Himmlischen; sowie die Augen der Silbermöwe, mithin das Flugvermögen, den Überblick und das Jagdgeschick dieses Vogels  Menhir 9z  (Die Silbermöwe larus argentatus hat hinter den Augen feine Vertiefungen im Gefieder, die sich als rund 5 cm lange Schattenstriche bemerkbar machen. Andere Möwen zeigen kürzere Striche; die in Zürich heimische Lachmöwe hat hinter dem Auge einen augengrossen braunen Federfleck. Die Silbermöwe siedelt an der Rhone bis hinauf nach Genf. Möglich, dass früher eine kleinere Unter- oder Nebenart an der damals frei mäandernden Rhone im Unterwallis heimisch war oder gelegentlich bis nach Sion hinaufkam.) Zur Halskette des kleinen Jägers gehörten ferner ein Bärenzahn, welcher ihm die Kraft eines Bären verleihen sollte, und zehn Ringlein aus Harz, welche ihm zehn Leben und die Selbstheilungskräfte der Bäume auf die himmlische Reise mitgaben.

 

 

Die Aufnahmen von Lutry stammen vom späten Nachmittag des 10. Juli, jene von Sion vom frühen und späten Nachmittag des 11. Juli, jene von Crans-près-Céligny vom späteren Nachmittag des 12. Juli; Copyright aller Aufnahmen © 2002 by Steve Gnädinger.

 

 

 

Bibliographie und Kommentare 1

 

JEAN-LOUIS VORUZ, Hommes et Dieux du Néolithique, Les statues-menhirs d’Yverdon, Avec la collaboration de François Favre, Jacques-Henri Gabus, Roland Jeanneret, René Meier, Joel Vital et Denis Weidmann. Das schöne Heft ist zum Preis von zehn Franken im Museum von Yverdon erhältlich. Für meine Zeichnungen verwendete ich den Plan auf Seite 47, der die umgefallenen Steine an ihren genauen Fundorten verzeichnet.

 

WOLFHARD SCHLOSSER, JAN CIERNY, Sterne und Steine, Eine praktische Astronomie der Vorzeit, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1996.

 

DAVID SOUDEN, Stonehenge, Mysteries of the Stones and Landscape, Collins & Brown London 1997. Die Pläne des Erdwalles und der Setzlöcher der Pfähle und ersten Blausteine sind aus diesem Buch.

 

MARIE E.P. KÖNIG, Am Anfang der Kultur, Die Zeichensprache des frühen Menschen, Gebrüder Mann Verlag Berlin 1973; Unsere Vergangenheit ist älter, Höhlenkult Alt-Europas, S. Fischer Verlag Frankfurt am Main 1980 / Buchklub Ex Libris Zürich.

 

*** Le Valais avant l’histoire, 14000 av. J.-C. – 47 apr. J.-C., Sion, Musées Cantonaux 23 Mai – 28 Septembre 1986.

 

MARIJA GIMBUTAS, The Goddesses and Gods of Old Europa, Myth and Cult Images, (Thames and Hudson London 1974) University of California Press Berkeley and Los Angeles 1996. / National Geographic, October 1988.

 

ALBERT SKIRA, Lascaux oder die Geburt der Kunst, Skira Genf 1955.

 

IAN RIDPATH, WILL TIRION, Der Grosse Kosmos-Himmelsführer, Franckh’sche Verlagshandlung Stuttgart 1987.

 

MICHEL LORBLANCHET, LES GROTTES ORNEES DE LA PREHISTOIRE, Nouveaux regards, Editions Errance Paris 1995.

 

Leider habe ich das Buch von MICHAEL RAPPENGLÜCK nicht zu sehen bekommen, nur einen Artikel darüber gelesen.

 

Bozeat Historical and Archaeological Society, Bozeat, Your Village History, Published by Rachel Mallows, Wellingborough, Northants, NN8 2QE, freundlicherweise überreicht von Marc Line.

 

DANS LES ALPES A L’AUBE DU METAL, Textes réunis et publiés sous la direction d’ALAIN GALLAY, Catalogue édité par les Musées cantonaux du Valais, Sion 1995.

 

dtv-Atlas, Astronomie, Deutscher Taschenbucherlag München, 1973/2000

 

René Hantke, Eiszeitalter 1, Die jüngste Erdgeschichte der Schweiz und ihrer Nachbargebiete, Verlag Thun/Schweiz 1978

 

Les gorges de l’Areuse, Photographies de Jean-Jacques Grezet, A la Baconnière, Neuchâtel 1986

 

MICHEL EGLOFF, Des premieurs chasseurs au début du christianisme, Gilles Attinger, Hauterive 1989.

 

Ein neuer Blick auf die Neuenburger Archäologie, archäologie der schweiz, archéologie suisse, archeologia svizzera, Sonderheft vom 25.2002.2.

 

Viele Bücher in Bibliotheken, insbesondere:

 

AUBREY BURL, From Carnac to Callanish, The Prehistoric Stone Rows and Avenues of Britain, Ireland and Brittany, Yale University 1993.

 

GERARD BAILLOU, CHRISTINE BOUJOT, SERGE CASSEN, CHARLES-TANGUY LE ROUX, CARNAC, Les premières architectures de pierre, caisse nationale des monuments historiques et des sites, CNRS Editions Paris 1995.

 

Olivier-Jean Bocksberger, Nouvelles Recherches au Petit-Chasseur, à Sion (Valais, Suisse), Jahrbuch der Schweizerischen Gesellswchaft für Ur- und Frühgeschichte, 56 / 1971.

 

 

 

Ende Mai bekam ich einen freundlichen Brief von Madame France Terrier, Konservatorin des Museums Yverdon; sie habe meine Fabel und meine Beobachtungen sehr aufmerksam et avec beaucoup de plaisir gelesen, man sei aber in diesen Fragen vorsichtig. Der kleine Vogelstein, den ich zur Prüfung einreichte, sei aus anderem Material als die Menhire und weise keinerlei Spuren einer Bearbeitung auf, er dürfe also weiterhin den kleinen Kräutergarten schmücken, den ich für eine Freundin anlegte. Frau Terrier wünscht mir vollen Erfolg für meine weitere Arbeit. Vielen Dank. Darf ich nocheinmal das schöne, frisch renovierte und erweiterte Schlossmuseum von Yverdon empfehlen?

 

Gegenüber dem Eingang vom Schlossmuseum befindet sich ein Museum der Ausserirdischen. Ging nicht hin, aber amüsierte mich. Wir hoffen, dereinst Signale von fernen Zivilisationen empfangen und verstehen zu können. Wie wär’s, wenn wir unsere Interpretationsgabe erst mal an den Zeichen unserer Vorfahren übten?

 

Jean-Louis Voruz über die Anlage von Yverdon-Clendy: Il y a donc arrangement manifeste, délibéré, des différentes formes des stautes-menhirs dans l’espace réservé, une sorte de grammaire liant la statuairesymbolique et l’emplacement d’érection, grammaire dont évidemment le sens nous échappe totalement. Die vorliegende Arbeit möge als Beitrag zum Verständnis der megalithischen „Grammatik“ gelesen werden. Mein besonderes Anliegen sind bildnerische Interpretationen (die meiner Meinung nach in der Archäologie und der Kunstgeschichte zu kurz kommen): ich habe eine Idee und schaue, wohin sie führt, im Einklang mit der zeitgenössischen Archäologie, bisweilen darüber hinausgehend, andere Themen und Aspekte weglassend – in der Annahme, dass man die Fachliteratur oder zumindest einige von Fachleuten geschriebene populäre Bücher kenne. Sollten meine über Bildsymbole gewonnenen Einsichten stimmen, so gab es schon früh erstaunlich grossräumig organisierte bzw. religiös-ideell zusammengehaltene Stammesgesellschaften, deren obere Anführer grosse Macht erlangten, aber höheren Instanzen Rechenschaft schuldig waren: nur ein guter Häuptling konnte auf eine Wiedergeburt auf Erden oder am Himmel hoffen.

 

In einem Buch über die Menhire der Bretagne las ich nachträglich die Bemerkung, dass die Steine von Carnac ein „Museum der Formen“ darstellen. So schaue ich einer allfälligen Prüfung meiner Thesen in Bezug auf die Menhire von Menec West und Kerlescan West zuversichtlich entgegen.

 

Meinem Bruder Steve Gnädinger danke ich für die einfühlsamen und aussagekräftigen Aufnahmen der Menhire von Clendy, Sion und Lutry. Vielleicht folgen später mal Aufnahmen vom Creux du Van und der Menhire am nördlichen Ufer des Neuenburgersees?

 

Ende November 2002: eine freundliche Karte von der Bibliothek des Landesmuseums Zürich, als Dank für meine CD, welche in die Bibliothekt aufgenommen werde (Haus Orion an der Hardturmstrasse in Zürich, neu, sehr zu empfehlen, reiche Auswahl an Büchern, habe sofort gefunden was ich brauchte, sehr freundliches und hilfsbereites Personal)

 

Professeur Serge Cassen, Directeur du laboratoire de la préhistoire armoricaine: felicitaions pour votre travail et la qualité des photographies ... Die Photographien stammen wie gesagt von meinem Bruder Steve.

 

 

 

Die Fabel von Gorgier und Bevaix

 

Die Region der 3 Juraseen war das Land des Grossen Vogels und der Vogelfrau von Neuchâtel-Monruz (Magdalénien, ca. 13'000 BP). Das mächtige Felsrund Creux du Van (Durchmesser 1,7 km, höchste Höhe der Steilwand 170 m) galt als Überbleibsel des aufgebrochenen, dabei verformten Welteis. Das kleinere, eiförmige Felsrund Roche Devant oberhalb von Gorgier war das Lebensei. Die Bergflanke und das wellenförmige Hochplateau waren steinig, aber aus den Spalten des Kalkbodens drangen viele Bächlein, und wo sich genügend Erde ansammelte, gediehen Blumen, Kräuter, Gräser, Büsche, Kiefern und Birken. Der Humus auf dem tieferen Plateau von Bevaix erlaubte das Pflanzen von Emmer. An den feuchten, sumpfigen Partien verehrte man die Lebensspenderin in Form des Grasfrosches rana temporaria (dessen Anwesenheit schon in der Zeit vor rund 30'000 Jahren bezeugt ist). Beim Menhir-Heiligtum von Bevaix-Treytel am Seeufer betete man zur Fischgöttin. Der mächtige Rhonegletscher deponierte zwei parallele Wallmoränen auf dem unteren und oberen Plateau von Bevaix und Gorgier. Die Findlinge dienten als Rohmaterial für Menhire, für Schalensteine - und als Grabsteine: man legte die Verstorbenen an den Fuss eines erratischen Blocks und bedeckte sie mit Blumen, Halmen, Zweigen, Rinden und Steinen. Die Menhire von Gorgier-Le Devens symbolisierten das Sternbild Perseus. Sah man am 12. August von Gogier-Le Devans nach Bevaix-Vauroux, so sah man Perseus in derselben Stellung aufgehen. Am 12. August erreichen die Perseiden ihr Maximum. Die Sternschnuppen zeigten an, dass die Verstorbenen an den Himmel eingingen. In die kleinen Vertiefungen der liegenden Schalensteine streute man Emmer. Die Körner sollten die Seelen der Verstorbenen nähren, und hatten im Übrigen dieselbe Bedeutung wie die Sternschnuppen, der Laich der Froschgöttin und der Laich der Fischgöttin: Zeichen nie versiegenden Fruchtbarkeit, welche das Leben über jede Missbill hinweg erhielt. Liest man die Menhire von Yverdon-Clendy als Karte, so verweist der Froschmenhir (Nr. 26) auf das Plateau von Bevaix; liest man sie hingegen als Kalender, so verweist er auf den Mai. Der grosse Menhir des rechten Flügelenks des Vogels von Yverdon-Clendy (Nr. 34) verweist auf die Hügel von Cugy und auf die Zeit um den 12. August. Auf dem Hügel petit râpe steht noch heute ein Tumulus. Die Hügel von Cugy waren mit dem Perseus-Areal von Gorgier und Bevaix verbunden. Die Linie über den See kreuzt die Mittsommer-Achse von Yverdon im rechten Winkel. Nachtliche Feuer erlaubten eine Kommunikation zwischen den beiden Seeufern ...

 

Ein herzlicher Dank geht an meinen Bruder Steve Gnädinger, sowohl für seine wertvollen Aufnahmen als auch für seine Initiative zu den Expeditionen nach Boudry, Bevaix und Gorgier im Mai und Juni 2003.

 

Panorama von Gorgier und Bevaix, linkls oben das kleine Felsrund Roche Devant  Menhjr 2 / Der Region angehörende oder auf sie verweisende Symbole der mythischen, himmlischen, irdischen und aquatischen Fruchtbarkeit  Menhjr 3 / Zwei Menhire von Bevaix-Treytel  Menhjr 4 / Plan der Menhire, des langen Schalensteins und der Findlinge von Gorgier-Le Devans und Bevaix-Vauroux  Menhjr 5 / Die Perseus-Menhire von Gorgier-Le Devens  Menhjr 6 / Lage der Perseus-Menhire, vom See aus gesehen  Menhjr 7 / Grosser Findling von Gorgier-Le Devens, und wie eine Bestattung an seinem Fuss ausgesehen haben könnte  Menhjr 8 / Zwei grosse Findlinge von Bevaix-Vauroux  Menhjr 9 / Der lange Findling von Bevaix-Vauroux mit seiner eleganten Form und klaren Rückenlinie; der lange Schalenstein von BV, hier mit Reis statt Emmer bestreut – seine Oberfläche erinnerte meinen Bruder Steve an einen Flügel; der helle Menhir von BV, aus der Ferne gesehen  Menhjr 10 / Achsenkreuz vom 12. August  Menhjr 11

 

Am 18. und 20. Juni 2003 allein in Bevaix , habe auf einem Areal von mehreren Quadratkilometern einen weiteren Teil der ausgewiesenen Megalithen und Schalensteine gefunden, Aufnahmen Franz Gnaedinger. Blick auf die Hänge von Gorgier-Le Devens und die Roche Devant (oben links), auf die Hänge von Bevaix-Bellevue/Vauroux  (oben rechts), über den See (unten), auf die Hügel von Cugy (unten links)  Menhjr 12 / Sechs Ansichten des grossen Menhirs von Bevaix-Vauroux. Beim Blick von Westen her (Schautafel oben links und erstes Einzelbild) erinnert mich der Stein an einen Lurch  Menhjr 13 / Menhjr 14 / Menhjr 15 / Menhjr 16 / Menhjr 17 / Menhjr 18 / Menhjr 19 / Unterhalb des Menhirs zwei kleine, pfeilerförmige Steine, die als “Kimme” und “Korn” in nordwestlicher Richtung (Aufgang des Perseus am 12. August) eine Folge von Senken und einen Graben hinaufweisen, oben ein Schalenstein in der ungefähren Form eines Flügels. Der Graben und die Senken mögen einst Wasser geführt haben. Ein Mini-Weiher befindet sich in unmittelbarer Nähe der Korn-und-Kimme-Steine  Menhjr 20 / Menhjr 21 / Menhjr 22 / Menhjr 23 / Menhjr 24 / Menhjr 25 / Menhjr 26 / Der grosse Menhir von Bevaix-Vauroux befindet sich am Hang einer langen, weiten, flachen Senke, die früher mit Sicherheit Wasser führte (heute von einem Brunnen gefasst), unterhalb der Senke einen Speckstein gefunden, der ein Frosch-Amulett gewesen sein könnte  Menhjr 27 / Menhjr 28 / Bevaix-Vauroux, Perseus-Hügel  Menhjr 29 / Menhjr 30 / Bevaix-Bellevue, Schalenstein in der ungefähren Form eines Flügels  Menhjr 31 / Menhjr 32 / Bevaix-Bellevue, Schalenstein in Form eines Lurches  Menhjr 33 / Bevaix-Bellevue, Chemin de Chanet: plattenförmige Abschläge von Findlingen mochten als Flügelsteine zum Bedecken der Toten gedient haben  Menhjr 34 / Menhjr 35 / Menhjr 36 / Weitere grosse Findlinge, Bevaix-Bellevue  Menhjr 37 / Die Hänge von Gorgier und Bevaix in Einzelbildern  Menhjr 38 / Menhjr 39 / Menhjr 40 / Bevaix- Pointe du Grain, am Seeufer, Megalith in Form eines Fisches, Blick in Gegenrichtung der grossen Platte über den See nach Yverdon-Clendy  Menhjr 41 / Menhjr 42

 

Zwei Aufnahmen vom 7.Juli 2003: Die Roche Devant über Montalchez  Menhjr 43  und über den Kopfmenhiren von Gorgier Devans  Menhjr 44

 

12. August 2003, mit meinem Bruder Steve nocheinmal in Bevaix, Aufnahmen Steve Gnädinger: Ein Schalenstein mit Erosionsrillen von Wurzeln im Wald von Bevaix  Menhjr 92  Rund 15 Meter nordwestlich ein umgefallener Menhir, von einer Wurzel gehalten, auch mit Erosionsrillen  Menhjr 93 / Menhjr 94  Nördlich oberhalb der beiden Steine ein grosser Findling, der in dieser Aufnahme (zufällig?) an ein Nashorn denken lässt  Menhjr 95  Bei diesen Steinen handelt es sich möglicherweise um eine analoge Situation wie beim Flügel-Schalenstein, dem Lurch-Menhir und den grossen Findlingen von Bevaix Vauroux.

 

Von oben her aufgenommene Bilder (Panoramen) des Creux du Van, geschaffen von einem seitlichen Ausläufer des einstigen mächtigen Rhonegletschers, in der frühen Mythologie möglicherweise als Überbleibsel der Schale des Grossen Welteis gesehen, Aufnahmen Steve Gnädinger, August 2003  Menhjr 96 / Menhjr 97 / Menhjr 98 / Menhjr 99

 

 

 

Die Gemini-Steine von Concise-Corcelles

 

Zwei Menhire von Concise-Corcelles könnten sich auf die Geminiden beziehen. Einer von ihnen gleicht ein wenig einem Lurch, der andere hat auf der Seite oben eine grosse Schale, hier mit Weizenähren gefüllt, und auf der schrägen Deckfläche viele kleinere Schalen, die man sich ebenfalls mit Körnern gefüllt denken mag. Die aufsteigende Verbindungslinie hat einen Morgenweite von 25 Grad (Diffferenzwinkel zur Nordrichtung 65 Grad). Aufnahmen FG vom Mittag des 7. Juli 2003  Menhjr 45 / Menhjr 46 / Menhjr 47 / Menhjr 48 / Menhjr 49 / Menhjr 50 / Menhjr 51 / Menhjr 52 / Menhjr 53

 

Im Kalender von Clendy verweisen die Menhire auf die Wochen vor der Sommersonnwende, während die Geminiden eine Woche vor der Wintersonnwende ihr Maximum erreichen. So hätten die Menhire zwei Zeiten, eine Kalenderzeit und eine auf interessante Weise mit ihr verbundene Eigenzeit.

 

Meine These: Am Nordufer des Neuenburgersees, von Bevaix bis Concise-Corcelles und Yverdon, verehrte man die Göttin der Samenkörner, des Laiches und der Sternschnuppen. Ihre Vertreterin in Yverdon wären der Froschmenhir  Menhjr 80 / Menhjr 81 / Menhjr 82  und der Laichballen  Menhjr 83 / Menhjr 84 / Menhjr 85  Diese Aufnahmen stammen Morgen des 7. Juli, zwischen halb zehn und halb elf. Weitere Aufnahmen der Menhire von Yverdon-Clendy vom Morgen des 7.Juli 2003 finden sich in Teil 1 und im folgenden Appell an die Schweizer Archäologie.

 

 

 

Teil 1  Das Mädchen und der Rabe (eine archäologische Fabel) / Geometrische Muster? / Das schräge Kreuz als Ideogramm des Jahres / Ein Doppelheiligtum des Grossen Kolkraben und der vielfigurigen Lebensspenderin / Neue Aufnahmen der Menhire von Yverdon-Clendy  Die Menhire von Yverdon, Sion und Lutry (1/3)

 

Teil 2  Die frühen Phasen von Stonehenge / Ein kombinierter Sonnen- und Mondkalender / Eine Stele aus Sion / Boissy-aux-Cailles / Lascaux / Chauvet / Das Sommerdreieck Deneb – Wega – Atair auf den Stufen Chauvet, Lascaux, Carnac und in keltischer Zeit  Die Menhire von Yverdon, Sion und Lutry (2/3)

 

Teil 3  (oben)

 

Appell an die Schweizer Archäologie (Vandalismus in Yverdon-Clendy), Miscellanea

 

 

 

 

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