Erdmannlistein Wohlen, Bärenstein / Franz Gnaedinger, fgn(a)bluemail.ch, fg(a)seshat.ch, www.seshat.ch

 

 

 

Erdmannlistein Wohlen (alter Name Wolen)

 

Am 27. September war ich freundlicherweise zu den Referaten der Interessengemeinschaft Erdmannlistein in Bremgarten Isenlauf eingeladen. Man vernahm von der Verhüttung von Rasenerz auf dem Mutschellen, von Kalendern, und von Sternlinien im Wald zwischen Bremgarten und Waltenschwil. Ich wohnte früher ein paar Jahre in Berikon auf dem Mutschellen und bin deshalb an der Region interessiert. Es war ein prächtiger Anblick, wenn die Sonne an einem klaren Abend über sieben Jura-Hügelzügen verschwebte. Als ich von der Tagung heimkehrte, überzog eine goldgleissende Decke von Schäfchenwolken der weiten Himmel. Ich bekam schon etwas Heimweh nach Berikon (dessen alter Name Bercken gewesen sei). An einem Morgen im frühen Herbst ging ich den Wald erkunden. Eine prähistorische Siedlung kommt meiner Meinung nach kaum in Frage, da keine Bäche zugegen sind. Der Gletscher hinterliess flache Mulden, in denen sich Moore bildeten, und Moränenhügel, auf deren Kuppen grosse Granitfindlinge stehen und liegen. Die grössten bilden das sog. Erdmannlistein  Erdmannli 1 / Erdmannli 2  Die Steine sind etwas in den Waldboden eingesunken. Zwischen ihnen soll sich früher eine Höhle befunden haben, in welcher, der Sage nach, einst gutmütige Erdmännchen hausten, die aber von der einheimischen Bevölkerung ausgenutzt worden waren, weshalb sie eines Tages verschwanden. Es dürfte sich hier um eine Sage aus dem Heinzelmännchen-Kreis handeln. Ich sah mir die Steine an. Gibt es allenfalls Hinweise auf religiöse Ideen, wie sie die Menhire und Schalensteine in der Romandie so freigiebig offenbaren? Ich fand keine solche Formen, aber immerhin drei „Bären“, zwei beim Erdmannlistein, und einen beim Cholmoos. Mit einiger Phantasie können Sie die Bären sehen: einen grossen Kopf, nach rechts oben blickend: Erdmannli 3; einen ganzen Bären, nach links blickend: Erdmannli 4 / Erdmannli 5 / Erdmannli 5a und eine liegende, vom Moos befreite Platte in der Form eines Bärenkopfs (?), Schnauze links, Ohr rechts oben, Backe in der Bildmitte, Nähe Cholmoos: Erdmannli 6. Ich habe keine Ahnung, aus welcher Zeit die allfälligen „Plastiken“ stammen, ob es blosse Launen der Natur sind, oder ob man solchen ein wenig nachhalf, und wenn ja in welcher Zeit. Wie gesagt: eine mesolithische oder neolithische Siedlung kommt für dieses Gebiet kaum in Frage, aber es könnte ein Jagdplatz gewesen sein. Das Reusstal war schon im ausgehenden Mesolithikum bewaldet. Schneisen hätten die Jagd erleichtern können, zum Beispiel sternförmige Schneisen um die Hügelkuppe des Erdmannlisteins. Wir müssen annehmen, das viele Findlinge verschwanden, für allerlei Zwecke gebraucht worden waren, auch gesprengt wurden, etc. Vielleicht kommen aber noch die einen oder anderen im Erdreich zum Vorschein? Ich würde der Interessengemeinschaft Erdmannlistein raten, nach weiteren allfälligen Tierformen Ausschau zu halten.

 

Korrektur. Der Hohlraum unter den Steinen ist eine Legende.

 

 

 

Der Schaf-Stein und weitere Menhire auf dem Käferberg in Zürich  Linda Magos

 

 

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